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Haus Nr. 72 – Das Buchbinderhaus

Wo heute eine begrünte Freifläche mit Sitzgelegenheiten zum Verweilen einlädt, stand einst ein Haus mit reicher Geschichte. Es gehörte zu den prägenden Gebäuden der Rainer Innenstadt und war über viele Jahrzehnte ein Ort des Handwerks, der Bildung und des Neuanfangs.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war hier mit Heinrich Busch ein königlicher Aufschläger und später Buchbinder ansässig. Ihm folgten Emil Busch und Alfred Bauer – Namen, die in Rain eng mit der Buchbinder- und Drucktradition verbunden sind. Ihre Druckerei und Verlagstätigkeit sorgten in einer Zeit ohne Radio, Fernsehen oder Internet für den Austausch von Wissen und Nachrichten in der Region. Publikationen, Ansichtskarten und zahlreiche Druckerzeugnisse zeugen noch heute davon.

Interessantes aus dem Jahr 1921: Nachdem in den Räumen der Gastwirtschaft „Karrer“ die Rainer Raiffeisenbank – damals unter dem Namen „Darlehenskassenverein“ – gegründet wurde, wurde Alfred Bauer zugleich als erster Geschäftsführer („Rechner“) in dieser neuen Bank angestellt und führte die Bankgeschäfte direkt in diesem Haus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieb Josef Mayinger hier ein Schreibwarengeschäft mit einer kleinen Leihbücherei – ein beliebter Treffpunkt für viele Rainerinnen und Rainer.

Auch wenn das Gebäude heute nicht mehr steht, schlummern unter der aufgekiesten Fläche noch Teile der alten Kellergewölbe – stille Zeugen einer lebendigen Vergangenheit. Der Obst- und Gartenbauverein Rain hat die Fläche in der Übergangszeit mit pflegeleichten Pflanzen und rustikalen Sitzgelegenheiten auf alten Baumstämmen gestaltet – als Zeichen für Gemeinschaft, Engagement und den respektvollen Umgang mit der Geschichte dieses Ortes.

(Informationen und Fotos aus der Sammlung von Franz Müller)

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