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Heimatgeschichte Wallerdorf mit Hagenheim

Mit einer Ausstellung im Rahmen der Einweihung der ehemaligen Schule beging der Stadtteil Wallerdorf am 20. Juli 1997 die 850. Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung von 1147. Peter Mayrhofer hatte mit einigen Helfern einen Querschnitt von der Vorgeschichte bis in die Gegenwart zusammengestellt. Der Bogen spannte sich von der Geologie des Raumes über den der Münchshöfener Kultur zuzurechnenden Fund von 1970 über die 1914 ausgegrabenen drei römischen Urnen, den Münzschatz aus dem Dreißigjährigen Krieg (gehoben 1955), die Geschichte des "Pfaffenzeller Hauses" (ehemalige Schule) bis zu den sportlichen Erfolgen von Birgit Riß in den Jahren unmittelbar vor 1997.

 

Der Überblick auf der Homepage ist ein Auszug aus der Ausstellung von 1997, den Peter Mayrhofer aus Wallerdorf der Stadt zur Verfügung gestellt hat.

 

Geologie 

Wallerdorf liegt auf der Hochfläche der so genannten "Aindlinger Terrassentreppe". Diese bildet ein Dreieck zwischen Donau und Lech in der Ausdehnung Mühlhausen im Süden, Rain im Nordwesten und Neuburg im Nordosten. Die "Aindlinger Terrassentreppe" gehört in Mitteleuropa zu den Gebieten mit einer besonders vielfältigen geologischen Gliederung. Die Existenz von mindestens neun Schotter- und Kiesbänken ist gut erfassbar.

 

Vor Millionen von Jahren strömten "Urlech" und "Uriller" Richtung heutiges Wellheimer Trockental. Die Flüsse verlagerten sich mehr und mehr westwärts in tiefere Flussbetten und hinterließen dabei mächtige Schotterbänke. In regenreichen Zwischeneiszeiten bildeten sich Täler. Zahlreiche Bäche entwässerten das Gelände in nordwestlicher Richtung zur kleinen Paar hin oder nach Osten hin zum Donaumoos. Die Schotter- und Kiesbänke wurden durch Auswehungen von Westen her mit zum Teil mächtigen Lößlehm-Schichten überlagert.

 

Neolithikum (Jungsteinzeit)

 

Auf den fruchtbaren Lößböden bei Wallerdorf siedelten nachweisbar ab dem 4. bis 3. Jahrtausend vor Christus schon die Ackerbauern und Viehzüchter der Jungsteinzeit. Siedlungsplätze (durch dunkle Bodenverfärbungen erkennbar) wurden bei Agathenzell, in Wallerdorf und in Richtung Mühlweg entdeckt.

 

Verzierte Keramikscherben, Steinwerkzeuge, Pfeilspitzen, Mahlsteine und Messer aus Hornstein geben Zeugnis von den Menschen der Jungsteinzeit. Die Gefäßscherben gehören nach der Art der Verzierung zum Teil der Spiralkeramik und zum Teil der Stichbandkeramik an. Ein 1970 in Wallerdorf gemachter Fund ist für unsere Gegend einmalig: Der Verzierungsstil der Gefäßscherben mit gewinkelten, schraffierten Ornamenten und gekerbtem Gefäßrand ist typisch für den Münchshöfener Kulturkreis. Als Verbreitungsgebiet gilt Südostbayern.

 

Die Menschen der Jungsteinzeit lebten in Pfostenhütten mit Lehmwänden, mit Stroh- oder Schilfdächern bedeckt.

 

Die Römerzeit (15 v. Chr. bis 400 n. Chr.)

 

Mit dem Vordringen der Römer über die Alpen im Jahr 15 vor Christus und der Niederlage der Kelten gegen die römischen Feldherrn Drusus und Tiberius wurde auch unser Gebiet romanisiert, zunächst bis zur Donau, später bis zum Limes. Es wurden Straßen gebaut und Militärstationen errichtet. Eine wichtige römische Fernstraße führte über Augsburg nach Norden, bei Oberpeiching über den Lech, dann weiter nach Burgheim und bei Stepperg über die Donau. Im weiteren Umfeld dieser Straßen entstanden römische Gutshöfe.

 

Die Römer siedelten auch in Wallerdorf. Zeugnis davon geben römische Brandgräber: Drei Graburnen aus Ton wurden im Jahr 1931 bei Drainagearbeiten im "Kleinen Talgrund", etwa 800 Meter östlich von Wallerdorf, gefunden. Die Graburnen befinden sich im Archäologischen Museum in München. (Quelle: Professor Wagner in "Germania", Jahrgang XV, Heft 4).

 

In der Umgebung eines römischen Friedhofes befand sich häufig ein römischer Gutshof. Funde liegen aber bis heute nicht vor.

 

Schriftliche Zeugnisse ab dem 12. Jahrhundert

 

Unsere bajuwarischen Vorfahren wanderten vermutlich im 6. Jahrhundert in unser Gebiet ein. Der Ortsnamen von Wallerdorf wird auf den altdeutschen Personennamen "Waldo" zurückgeführt, der von dem Wort "valden" abstammt, das bedeutet soviel wie "walten", "herrschen". Den Ortsnamen Hagenheim deuten die Sprachforscher als "Heim des Hagano", (Hagen).

 

Das erste schriftliche Zeugnis von Wallerdorf stammt aus dem Jahr 1147: In einer Urkunde des Klosters Indersdorf wird ein "Conradus de Walderdorff" als Zeuge in einer Besitzübergabe genannt. Eine weitere urkundliche Erwähnung erscheint im Wittelsbacher Herzogsurbar von 1280 unter Amt Rain: "Im Wallerdorf besitzt der Herzog die Vogtei, Vogteihof, 1 weiteren Hof und den Großzehent."

 

Die Höfe von Wallerdorf, Hagenheim und Agathenzell gehörten zu verschiedenen Klöstern.

 

Die nächste Urkunde stammt aus dem Jahre 1323: "Kaiser Ludwig schenkt dem Kloster Niederschönenfeld den Hof zu Wallerdorf, den Heinrich der Gyger baute, als Eigen. In einer Urkunde aus dem Jahre 1332 steht: "Ulricus, Bischof von Augsburg, verleiht allen Gläubigern, Büßern, welche der Kapelle der seligen Agatha, Jungfrau und Märtyrin, fromme Gaben schenken, einen Ablaß."

 

Im Jahre 1338 fielen von Asien her Schwärme von Wanderheuschrecken ein, dass "sie die Sonne verdunkelten". Schwere Hungerjahre waren die Jahre 1338 und 1346. Im Frühjahr 1348 brach die Pest aus.

 

Es ist bewundernswert, wie sich unsere Heimat nach dem großen Sterben wieder bevölkerte und die Kultur aufblühte. Im Salbuch der Pfarrkirche von Rain findet sich dieser Eintrag: "1482 zahlt Stefan Roth, Wirth zu Wallerdorf, liegt oben an der Straße neben Michael Schrölle, Schmied, stoßt auf das Feld, jährlich auf Bartholmä 3 Schillinge Münchner Pfennige zur Pfarrkirche St. Johannis in Rain."

 

 

 

Der 30-jährige Krieg (1618 – 1648) und der Münzfund von Wallerdorf

 

Unser Land hatte unter dem 30-jährigen Krieg erst ab dem Jahre 1632 zu leiden. Nach der Schlacht bei Rain (14./15. April 1632) fielen die schwedischen Soldaten und ihre Verbündeten plündernd in unser Land ein. In der Zeit von 1646 bis 1648 wurde unser Land wieder von Soldaten verwüstet. In den Pfarrbüchern von Holzheim ist vermerkt: "Eine Zeit der Flucht und des Elends. Es waren Feinde da." Aus Hagenheim wird berichtet: "Peter Wolfs Haus und Stadel sind im Krieg ganz hinweg gekommen."

 

Der Münzfund

Aus dieser Zeit stammt ein Fund, den Wallerdorfer Bauern bei Flurbereinigungsarbeiten im Jahre 1955 in der Kiesgrube am Waldrand südöstlich von Wallerdorf machten. In einer Eisendose befanden sich zehn blanke Silberthaler. Diese Münzen wird wohl ein Wallerdorfer in den Kriegswirren vergraben haben. Nach Feststellungen der Staatlichen Münzsammlung München stammen die Münzen aus 7 Territorien: Aus Holland, Württemberg, Tirol, Schaffhausen, St. Gallen-Stadt, Basel und Nürnberg. Die älteste Münze trägt die Jahreszahl 1557, die jüngste die Jahreszahl 1640.

Den damaligen Wert der Münzen verdeutlichen diese Angaben: 1 Silberthaler sind 30 – 40 Halbbatzen. Eine Maß Bier kostete anfangs des 30-jährigen Krieges 2 ½ Halbbatzen, 1 Pfund Butterschmalz kostete 11 Halbbatzen, 1 Gans 19 Halbbatzen.

 

Nach dem 30-jährigen Krieg

Gelähmt und erschüttert war unsere Heimat nach dem Krieg. Viele Felder mussten wegen des Mangels an Arbeitskräften dem Wild überlassen werden.

 

 

 

18. und 19. Jahrhundert

 

Im spanischen Erbfolgekrieg (1704-1708) erlebte unser Land wieder Krieg und Schrecken. Der damalige Pfarrer schrieb an den Bischof von Augsburg, dass die Pfarrei Holzheim 300 Menschen durch den Tod verloren habe.

 

In einer Urkunde aus dem Jahre 1752 ist ausgeführt. "Wallerdorf als Dorfgemeinde mit 30 Anwesen: Kammerbaur, Sixtbaur, Schildbaur, Strobl-Melchior, Strobl, Monscheinsölde, Pfälzer, Burger, Benni-Baur, Monschein, Wagner, Gäßler, Wagnerbaur, Wirt, Schneiderhäusl, Gänglermann, Oberlender, Ziegler, Stäkchel, Kautterer, Schmid, Schäffler, Hannsl. Hagenheim 7 Anwesen: Hangerbaur, Wastlbaur, Schmiedjackl, Kügler, Lipp, Hagenheimer Hofstatt und Wolferl."

 

Eine Urkunde aus dem Jahr 1841 berichtet über Agathenzell: "Agathenzell hat eine tiefe Lage.... Zur Zeit des Klosters Thierhaupten, unter welchem der Hof stand, war die Bevölkerung 12 bis 13 Personen .... Die Kapelle ist der heiligen Agatha geweiht. Es wird darin alle vierzehn Tage die Heilige Messe gelesen. Die Einöde liegt an einem sehr kleinen Bach, welcher bei Schneegang und bei Regengüssen die große Strecke Wiesen bis unterhalb Wächtering überschwemmt."

 

 

 

Weltkriege

 

Auf den Höfen arbeiteten zahlreiche Knechte und Mägde. Aus dem 1. Weltkrieg (1914-1918) kehrten 11 Männer nicht mehr in die Heimat zurück, nämlich

Anton Kügle

Thomas Spengler

Josef Mayrhofer

Johann Riss

Vinzenz Rappel

Xaver Riss

Michael Schmid

Alex Schmid

Josef Vogl

Georg Schlecht

Nikolaus Stadlmeier

 

Im 2. Weltkrieg (1939-1945) fielen 17 Soldaten aus dem Dorf:

Nikolaus Heinrich

Vinzenz Braun

Xaver Pest

Josef Högenauer

Josef Rappel

Anton Breimair

Josef Breimair

Johann Breimair

Martin Appel

Anton Schlecht

Maria Kammerer

Nikolaus Wittmayr

Josef Gütl

Josef Stadlmeier

Michael Briglmeier

Georg Gastl

Jakob Wild

 

In den letzten Kriegsjahren kamen Evakuierte in das Dorf. Am 27. April 1945 rückten amerikanische Truppen in Wallerdorf ein. Die meisten der zahlreichen Heimatvertriebenen verließen das Dorf während der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs.

 

 

 

Gemeinde

 

Die Flurbereinigung wurde in den Jahren 1954-1959 durchgeführt. Die Teerung der Ortsstraßen erfolgte in den Jahren 1958-1969.

 

Zu Beginn des Schuljahres 1970/1971 wurde die Schule in Wallerdorf aufgelöst. Die Kinder legen nun den 13 km langen Schulweg nach Rain mit dem Bus zurück. Am 1. Januar 1975 gab die Gemeinde Wallerdorf die Selbstständigkeit auf.

 

Im alten Schulhaus war von 1975-1994 ein Kindergarten untergebracht.

 

Die Bürgermeister der Gemeinde Wallerdorf etwa ab 1900:

Christian Mendel

Josef Heinrich

Paul Stöckl

Matthias Mair

Josef Heinrich

Anton Ruf

Jakob Gastl

Josef Schmid

Johann Schaller

 

Ortsvertreter im Stadtrat Rain ab 1975:

Johann Schaller, Stadtrat, April 1975 - April 1978

Josef Kammerer, Ortssprecher Mai 1978 - April 1990

Peter Senzel, Ortssprecher Mai 1990 - April 1996, seit Mai 1996 Stadtrat 

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