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Heimatgeschichte Staudheim- Staudheim im 19. Jahrhundert

Die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts

 

Der heutige Staudheimer Pfarrhof, so die Mitteilung im Kunstdenkmälerband für Stadt und Landkreis Neuburg a.d. Donau (veröffentlicht 1958), wurde 1806 erbaut. Anfangs des 19. Jahrhunderts hatte Staudheim etwa 36 Anwesen. Die flächenmäßige Ausdehnung der Ortschaft zeigt der ersten Flurplan (um 1820). 1803 hatte Staudheim 198, acht Jahre später 206 und 1828 bereits 225 Einwohner. Die Steigerung um 20 Einwohner innerhalb der nächsten fünf Jahre bis 1833, die uns der Pfarrer mitteilt, dürfte nicht richtig sein. Diese Mitteilung erging an das Landgericht im Zusammenhang mit dem Antrag auf Kirchenerweiterung, man wollte der gemeindlichen Forderung mit einer drastischen Einwohnersteigerung wohl Nachdruck verleihen. 1845 schreibt der Rainer Heimatforscher Ludwig Wilhelm Fischer zur Ortsgröße: "Pfarrdorf mit 42 Häusern, worunter ein Wirtshaus, 48 Familien, 226 Einwohner, eine Schule, liegt an der Landstraße von Ulm nach Regensburg ..."

 

Aus dem 19. Jahrhundert

 

Große Probleme bereite im 19. Jahrhundert die Versorgung der Bevölkerung. König Max I. Joseph hatte 1808 die Armenpflege zum Anliegen des Staates erklärt. Die öffentliche Aufgabe wurde der Lokalarmenpflege auf Gemeindeebene übertragen.

 

Durch den ungeheuren Bevölkerungsverlust im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648), der erst im folgenden Jahrhundert wieder ausgeglichen wurde, konnte das Land seine Leute – sobald der Frieden hergestellt war – wieder versorgen. Nun aber wuchs die Bevölkerung, wenn auch nur langsam. Die Erträge steigerten sich nicht im gleichen Maß. Über Jahrhunderte wurde in Altbayern die Verehelichung reglementiert, d. h. wer heiratete bedurfte die Erlaubnis. Diese Genehmigung wurde nur Leuten mit eigenem Besitz gegeben. Dies gab nach dem großen Krieg keine Probleme, denn abgebrannte Hofstätten gab es in großer Zahl und zu günstigen Preisen zu kaufen. Im 19. Jahrhundert aber wurden Höfe rarer, viele nachgeborene Kinder musste ledig bleiben. Die Lokalarmenpflege musste zur Heiratserlaubnis gehört werden – sie musste ja für die Familie aufkommen, wenn sie verarmte.

 

Die Wirtschaftslage zwang so oft zur einzigen möglichen Art der Selbstsändigmachung – zu Auswanderung. Aus Staudheim wissen wir von fünf Personen, die 1854 nach Amerika auswanderten. Am 26. Februar machte das Landgericht Rain bekannt: "Anton Böheim von Staudheim will nach Amerika auswandern. Bei Vermeidung späterer Nichtberücksichtigung muss jeder Anspruch binnen 8 Tagen angemeldet werden." Am 1. April 1854 erhielten Franziska (200 fl) Königsdorfer, ledige Schmiedtöchter, im Landgericht Rain die Ausreisererlaubnis mit Leumunds-Zeugnissen, Pässen und Überfahrtsverträgen. Quirinus Bleimair, leidiger Bauerssohn, hatte mit 1200 fl elterlichem Vermögen bessere Startbedingungen in der "neuen Welt"; er erhielt am 21. Juni 1854 die Auswanderungspapiere. Zu dem Vermögen sei ergänzt, dass damals in einem guten Erntejahr der Zentner Weizen 3 fl kostete, im schlechten Erntejahr 1854 aber rund 8 ½ fl (Rainer Schranne). Das Tagwerk Acker kostete 75 bis 110 fl. Auswanderungen gab es in Staudheim auch in späteren Jahrzehnten.

 

Der Wirt von Staudheim war zugleich auch Brauer; das geh t aus zwei Notizen von 1846 hervor. Einmal heißt es, der Wirt von Staudheim hat, wie die Rainer Brauer, seine Wirte in den Stand gesetzt, die Maß Bier für 6 kr auszuschenken. Für Sonntag, 25. Oktober lud "Tafernwirth Dionis Schlampp von Staudheim" zu einem "Pferderennen mit 8 Gewinnsten alle Liebhaber dieses Vergnügen mit dem Bemerken ein, dass für nötige Ordnung und Sicherheit, dann für gute Speisen und Getränke gesorgt wird." Das Pferderennen begann um 14 Uhr.

 

Am 17. Juni 1849 erhielten 56 Veteranen aus den Feldzügen 1790 bis 1812 das Felddenkzeichen des bayerischen Königs bei einem großen Fest in Rain. Darunter war auch der Gütler Jakob Kerner von Staudheim. – Am 5. Juli 1849 hielt König Max II. bei seiner Reise von München über Donauwörth (Eisenbahn) um halb 12 Uhr in Rain an und wurde herzlich begrüßt. Bei der Weiterfahrt nach Neuburg hat ihm sicher auch die Staudheimer Bevölkerung zugewunken. Es war der erste Königsbesuch (1806 erhielt Bayerns Kurfürst erst den Königstitel) – und ein Besuch des Landesfürsten war das Ereignis des Jahres!

 

Im deutsch-französichen Krieg 1870/71 sind 6 Männer aus Staudheim gefallen.

 

Das Präsentationsrecht auf die Pfarrei hatten über Jahrhunderte die Gutsherren von Unterbaar. 1871 wollten sie mit dem König ihr Recht in Staudheim gegen das landesherrliche Recht für das Benefizium Unterbaar vertauschen. Diese Ansinnen des Freiherrn von Moreau lehnte des Ministerium am 17. Apirl 1871 ab.

 

Die neuen technischen Errungenschaften hielten nun Einzug im Rainer Winkel. Sichtbares Zeichen war die Donautalbahn, die 1874 in Betrieb genommen wurde und durch die Staudheimer Fluren führt. Hierfür waren Grundabtretungen erforderlich, die Wasserläufe waren zu verändern. In Staudheim wurden die Bahnposten 17 (Richtung Überacker) und 18 (Richtung Rain) errichtet. Ursprünglich hatte Staudheim keinen Haltepunkt, die nächsten Zusteigemöglichkeiten waren die Bahnhöfe Burgheim und Rain. Bemühungen zu Beginn dieses Jahrhunderts um einen Haltepunkt waren vergeblich.

 

1862 erfolgte die Trennung von Verwaltung und Rechtsprechung. Der Rainer Raum mit Staudheim wurde verwaltungsmäßig dem Bezirksamt Aichach zugeschlagen; dort fanden nun auch die Musterungen statt. Das Landgericht Rain behielt die Rechtsprechungsbefugnisse. Die verkehrsgünstiger Lage nach Neuburg a. d. Donau infolge des Bahnbaues wurde auch in der Behördenorganisation berücksichtigt. 1880 wurde das Rainer Gebiet mit Staudheim vom Bezirksamt Aichach abgetrennt und dem Bezirksamt Neuburg a. d. Donau zugeschlagen. Das Landgericht (ältere Ordnung) in Rain wurde zum gleichen Zeitpunkt ein Amtsgericht im Sinne der Reichsgesetzgebung. – Am 1. Januar 1876 wurden in Bayern die Standesämter eingeführt. Die Gemeinde Staudheim bildete von diesem Tag bis zur Gemeindeauflösung am 30. Juni 1972 einen eigenen Standesamtsbezirk. Zuvor verwendete der Staat die Duplikate der Pfarrmatrikel als seine Personenstandsbücher; für Staudheim sind die Duplikate der Jahre 1803 bis 1875 im Staatsarchiv Neuburg a. d. Donau.

 

Staudheim anno 1885 - dem Gründungsjahr der Feuerwehr

 

Was gibt es aus Staudheim vom Jahr 1885 dem Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr, zu berichten? – Bei der Volkszählung am 1. Dezember dieses Jahres hatte der Ort 247 Einwohner. Es gab 47 Wohngebäude. Ein Einwohner gehörte dem "protestantischem" Bekenntnis, so damals die amtliche Bezeichnung an, die anderen 246 –Einwohner waren katholisch. Das Standesamt Staudheim berichtet von 11 Geburten, 1 Eheschließung und 8 Sterbefällen; von den Verstorbenen waren 5 Kinder unter einem Jahr. Standesbeamter war 1. Bürgermeister Quirin Göbel, der Initiator der Feuerwehrgründung. Die Gemeindeflur hatte 641 Hektar; nach einer Statistik von 1970 sind es jetzt 642 Hektar. Bedeutende Gemeindegrenzänderungen gab es also von 1885 bis zur Eingemeindung nicht. Der Hunzenhof gehörte schon damals zur Gemeinde Niederschönenfeld

 

Der Zentner Weizen kostete in der Rainer Schranne im Jahresmittel etwa 8,50 Mark, der Zentner Roggen und der Zentner Gerste kosteten je ca. 7,50 Mark und der Zentner Hafer kostete etwa 6,40 Mark. Rain war für Staudheim von jeher der wichtigste Marktort. Während des Bestehens des Fürstentums Pfalz-Neuburg war östlich Staudheim sogar die Grenze des Herzogtums Bayern. Die Mark-Währung war infolge der Reichsgründung 1876 eingeführt worden. Die frühere Einheit, der Gulden, galt bei der Währungsreform 1,76 Mark.

 

Das Rainer Wochenblatt 1885 berichtet von folgenden Ereignissen: Am 29. April nachmittags 2 Uhr kam das Bezirksamt zur Schulvisitation, zu der Lehrer Kastner, Lokalschulinspektion (Pfarrer) und Gemeindeverwaltung eingeladen wurden. Vom 11. Bis 14. April war Musterung der Wehrpflichtigen in der Insel-Gaststätte in Neuburg a. d. Donau. Am 23. April war von 4 bis 5 Uhr nachmittags Eichtermin. Das Steuersoll der Staatssteuer excl. Der Einkommenssteuer wird mit jährlich 1154,07 Mark angegeben. Beim Rentamt (Finanzamt) Rain konnten die Staudheimer die Steuern zu den jeweils festgesetzten Steuerterminen, weiter jeden Mittwoch und Samstag sowie an jedem Viehmarktstag begleichen.

 

Gleich zwei Höfe, die Nummern 9 und 29, waren im Wochenblatt der Stadt Rain vom 9. Mai 1885 ausgeschrieben. Die Beiden Bekanntmachungen sind nachstehend abgedruckt. Zwangsversteigerungen waren damals weitaus häufiger als heute – viele Ausschreibungen aus dem Gerichtsbereich Rain allein in diesem Jahr geben davon Zeugnis. Am 20. Julia1885 versteigerte so der Gerichtsvollzieher beim "Anwesen des vormaligen Schmiedes Josef Königsdorfer in Staudheim an den Meistbietenden gegen Barzahlung: 1 Kuh, 3 Kalbel, 1 Schweinsmutter, 1 Läuferschwein, 1 Bernerwägerl, 40 Stück Fichtenbretter, dann die auf 9 Tagwerk Grundstücken stehenden Früchte, nämlich Roggen, Feesen und Gerste."

 

Spärlich war der Zugfahrplan des Bahnhofes Rain. Personenzüge gingen 7.47 Uhr und 20.56 Uhr nach Ingolstadt und um 10.30 Uhr und 22.01 Uhr nach Donauwörth; Güterzüge fuhren um 4.01 Uhr und 15.25 Uhr nach Ingolstadt und um 6.08 Uhr und 18.00 Uhr nach Donauwörth. Die Fahrzeit des Personenzuges von Rain nach Ingolstadt betrug 1 Stunde und 10 Minuten – für die damalige Zeit ohne Kraftfahrzeuge eine schnelle Verbingung.

 

"Die Schafweide der Gemeinde Staudheim, auf welcher 300 – 400 Stück Gangvieh genährt werden können, wird für den Sommer 1886 am Samstag, 29. August, 4 Uhr nachmittags im Wirtshause zu Staudheim an den Meistbietenden verpachtet." Aus dieser Notiz sehen wir auch, dass es im Ort nur eine Gaststätte gab.

 

Die Wende zum 20. Jahrhundert

 

1883 wurden auf dem östlichen Teil des Kirchendaches etwa 2000 Platten ausgewechselt. Die Kosten wurden auf 92 Mark (entspricht dem Preis von lediglich 11 Zentnern Weizen) angeschlagen. 1886 heißt es "An der Pfarrkirche in Staudheim sind infolge des letzten großen Regens Baugebrechen zutage getreten. Es senkte sich nämlich die Decke in der Kirche, welche herzufallen droht ..." Am 28. Oktober wird berichtet, die Decke sei mit festen Bolzen unterstützt worden. Am 4 Mai 1887 wurden 400 Mark aufgenommen, rückzahlbar in vier gleichen Jahresraten. Am 12. August 1887 gehen die Reparaturarbeiten der Vollendung entgegen. 1896 fand eine Altarrenovation statt. 1913 wurde eine Orgel angeschafft. 1904/05 ist das Verputzen des Kirchturmes im Gespräch. Dieser Vorschlag wird später entworfen und es heißt, der Putz sollte wegen des romanischen Baustils vollständig entfernt werden und nur die Fugen sollten ausgebessert werden. Eine letzte Notiz in diesem Zusammenhang lautet am 26. Juli 1907, in 14 Tagen werde mit den Arbeiten an Süd- und Ostseite begonnen. Inwieweit ein Teil des Turmes bis dahin verputzt war (der Großteil war nach den Mitteilungen sicherlich immer schon unverputzt), konnte ich nicht feststellen.

 

Drei interessante Notizen aus dem Rainer Wochenblatt von 1890, die die Ausführungen von 1885 ergänzen, seien angefügt. In vier Monaten meldeten sich beim Rainer Stadtmagistrat 635 durchreisende Handwerksburschen – sie erhielten je 10 Pfenning. Durch die Lage an der Landstraße Ulm – Regensburg wird ein Großteil dieser Handwerksburschen wohl auch durch Staudheim gezogen sein. Arbeitsplatzmangel war mit ein Grund für die Wanderschaft der jungen Gesellen, die weit in unser Jahrhundert hinein üblich war. – Der Ertrag der Pfarrstelle Staudheim war 1285,13 Mark (4. November 1890). Das Ergebnis der Fassion wurde durch einen Aufbesserungszuschuss auf genau 1800 Mark erhöht. Dieser Betrag war der übliche Gehalt der Pfarrer in den Dörfern des Rainer Winkels; Kapläne und Benefiziaten bezogen geringere Gehälter. – Am 22. November 1890 schrieb die Bahnwärterswitwe ihr Anwesen in Staudheim mit 14 Tagwerk zum Verkauf aus; sie zog nach dem Tod des Ehemanns weg.

 

Am 14. Februar 1898 wurde Lehrer Adalbert Kastner nach 26jähriger Tätigkeit in Staudheim verabschiedet. Er wurde nach Täfertingen bei Augsburg versetzt. Seine Tätigkeit als "Jugendbildner, Chorregent und Mesner" wurde in den Reden sehr gelobt. Schon 1811 wurde Mesner Valentin Lönauer als provisorischer Lehrer ernannt und wohl das ganze 19. Jahrhundert waren beide Funktionen in einer Person vereinigt – was schon zur Erreichung eines entsprechenden Einkommens erforderlich war. Die Pfarrstelle Staudheim war bei der Lehrerverabschiedung verwaist; Staudheim wurde vom Gempfinger Pfarrer vikatiert. Nächster Staudheimer Lehrer wurde Anton Mann von Babenhausen (1898 – 1915). Er war seit 4. Januar 1915 zum Kriegsdienst eingezogen und war dann ab 1. Juni 1918 als Lehrer in Rain tätig.

 

Der Torfstich ist im 19. Jahrhundert mehrmals beurkundet, z. B. 1845 (L. W. Fischer) und 1898 (Großbrand). Er wurde bis weit ins 20. Jahrhundert an der Donauleite nordöstlich, nördlich und nordwestlich des Dorfes durchgeführt.

 

Der Kindsmord am 22. August 1897

 

Ein grausamer Kindsmord schreckte Staudheim am Sonntag, 22. August 1897 auf. Nachmittags 5 Uhr wurde die am 4. Oktober 1886 geborene Maria Koch im Straßengraben in Richtung Rain mit durchgeschnittenem Hals und weiteren Verletzungen tot aufgefunden. Auf dem Heimweg von einem Verwandtenbesuch in Mittelstetten wurde das Staudheimer Kind von seinem Mörder eingeholt, und als Maria Koch auf dess Zugriff schreien wollte, wurde sich von ihm getötet. Der Mörder ging über die Felder und den Bahndamm, wusch sich in einem Bach und besuchte abend noch den Kirchweihtanz in Kunding.

 

Der 32jährige Dienstknecht aus Ambach, in Niederschönenfeld beschäftigt, wurde am nächsten Tag festgenommen. Er war 20mal vorbestraft, wurde bei einer Gegenüberstellung von der Frau des Bahnwärterpostens 18 (Nähe Anwesen Schütz) erkannt, da er am Sonntagnachmittag unmittelbar nach dem Mädchen am Bahnwärterhaus vorbeiging, und auch Spuren stimmten mit seinen Stiefeln überein. Dies wurde bei einem Ortstermin am Dienstag festgestellt. Am Mittwoch wurde das ermordete Mädchen beerdigt.

 

19 Stunden dauerte die Verhandlung am 4. Und 5. März 1898 vor dem Schwurgericht Augsburg. Nach den erdrückenden Beweisen von 52 Zeugen und 3 Sachverständigen erkannten die 12 Geschworenen auf Mord. Erst nach dem Todesurteil gestand der Mörder seine Tat ein, die er vorher beharrlich geleugnet hatte. Am 30. April 1898 wurde das Todesurteil durch Prinzregent Luitpold bestätigt. Am 5. Mai 1898, 6,25 Uhr, wurde das Urteil durch Hinrichtung auf der Guillotine in Augsburg vollstreckt.

 

Noch heute erinnert ein Marterl am Tatort an die ermordete Maria Koch. In der Ortschaft lebt die Erinnerung an den 22. August 1897 fort. Nachstehend eine Gegenüberstellung des von Generation zu Generation weitergegebenen Gedichtes und der ersten Pressemeldung.

 

Wenn man von Rain nach Staudheim geht

Wenn man von Rain nach Staudheim geht,

dort an dem Weg ein Kreuzlein steht.

Da fand ein Mädchen früh sein Grab,

weil es für Gott sein Leben gab.

 

Des Wanger`s ältestes Töchterlein,

von Rain aus ging es einstens heim.

Alleine, wie sie es immer tat,

die Straße ist sehr schön und grad.

 

Doch wie der Wolf das Lamm erwürgt,

das zitternd sich vor ihm verbirgt,

so tat es auch das Mägdelein,

er aber holte es bald ein.

 

Drauf stürzt er auf das Mädchen zu,

willst sündigen oder sterben du?

Ich sündige nicht, ich sterbe gleich,

dann komme ich doch ins Himmelreich.

 

Und kaum das edle Wort verklang,

das Morden drauf der Mann begann.

Er bindet übern Kopf das Kleid

und teilt in Stücke des Mädchen`s Leib.

 

Und blutbefleckt und ohne Ruh,

eilt er dem Wiesengrunde zu.

Am Bächlein wäscht er Hand und Kleid,

zu Lustbarkeiten schon bereit.

 

Nimmt in den Arm sein junges Lieb

Und fragt sie ob`s ihm treu verblieb.

Und er erzählt`s dem Schätzlein auch,

doch schweige, sonst geschieht`s dir auch.

 

Drauf eilte sie zum Gerichte hin,

den Mörder man des Tags drauf fing.

Und was nachher geschehen ist,

ihr alle dies nun selber wißt.

 

Ihr lieben Eltern, tröst euch Gott,

euer liebes Kind, es ist nicht tot.

Es spielt ja mit den Engelein,

darüber sollt ihr glücklich sein.

 

Das Gedicht und eine Melodie

verfasste Anton Mann (1873-1937,

Lehrer in Staudheim 1898-1915).

Lokales und vermischte Nachrichten

Rain, 23. August (Mord). Unsere sonst so ruhige Gegend wurde gestern Abend durch ein grauenhaftes Verbrechen in große Aufregung versetzt. Junge Burschen fanden nämlich Nachmittags gegen fünf Uhr zwischen Mittelstetten und Staudheim ein Mädchen in der schrecklichsten Weise zugerichtet, mit fast vollständig durchschnittenem Halse und aufgeschnittenem Bauche im Straßengraben liegen. Die Unglückliche ist die 11-jährige Wagnermeisterstochter Maria Koch von Staudheim. Dieselbe war mit ihren Eltern und einigen Verwandten aus München in Mittelstetten, von wo aus sie nach Hause geschickt wurde, und da auf dem Heimwege einem Lustmorde zum Opfer fiel, während letztere sich auf dem Bahnhof Rain begaben. Als der Tat dringend verdächtigt, wurde unterm gestrigen abends noch ein Handwerksbursche, der sich in hiesiger Gegend umhertrieb, in Donauwörth vorläufig festgenommen und eingeliefert. Als weiter der Tat dringend verdächtigt, wurde unterm heutigen von der hiesigen Gendarmerie auch der ledige Dienstknecht Jakob Wegele von Ambach zur Zeit in Niederschönenenfeld bedienstet, verhaftet und in das hiesige Gefängnis eingeliefert. Wegele ging gestern Nachmittags 4 Uhr von Niederschönenfeld aus zur Kirchweih nach Kunding, wobei er beobachtet wurde, wie er quer über die Felder lief. Derselbe war zwar auf der Kirchweih in heiterster Stimmung und ließ sich von einer derartigen Tat nichts merken. Auffällig an ihm war jedoch, daß seine Kleider sehr naß und mit Blut bespritzt waren, wie er auch einige Blutspritzer im Gesicht trug, die ihm von seiner in Niederschönenfeld bediensteten Geliebten, die sich ebenfalls auf der Kirchweih dort befand, mit einem Taschentuch, das die Buchstaben M. K. trägt, und das sie Wegele aus der Tasche entnahm, abgewischt wurden. Dieses Taschentuch, sowie die an den Kleidern derselben noch merkbaren Blutspuren, die er trotz abwaschens nicht beseitigen konnte, dürfen zur sicheren Überführung des Täters dienen.

 

Erster Bericht in der Lokalpresse (Rainer Wochenblatt 24. August 1897

 

 

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