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Heimatgeschichte Staudheim- Zahllose Kriegszüge bis 1812

Unsagbares Leid brachten die vielen Kriegs- und Naturkatastrophen auf das flache Land. 1348 war ein schweres Erdbeben, anschließend wütete in Bayern die Pest. Große Schäden dürften die Kriegsjahre 1388 (Städtekrieg mit Augsburg), 1421 (Fehde zwischen den Herzögen Heinrich von Landshut und Ludwig dem Gebarteten von Ingolstadt) und 1503/05 (Landshuter Erbfolgekrieg) hinterlassen haben. Der Lechrain war Schauplatz von Streitzügen und litt darunter, wie zum Beispiel 1421, als Herzog Heinrich vor Rain lagerte und alles umher bis nach Neuburg mit Feuer verheerte. Staudheim – schon immer an der Landstraße südlich der Donau gelegen – dürfte vom Niederbrennen der Heere am wenigsten verschont geblieben sein. – Der Kölner Spruch beendete 1505 den Erbfolgekrieg mit der Bildung der Jungen Pfalz (Herzogssitz Neuburg). Staudheim wurde Grenzort zu dem Neuburger Staat, zu dem schon Burgheim gehörte. Ein Beizoll zwischen den beiden Orten wurde errichet.

 

Im schmalkaldischen Krieg 1546 gingen mehrere Urkunden der Pfarrkirche zugrunde. Daraus ist zu ersehen, dass die schalkaldischen Bundestruppen mit Staudheim nicht glimpflich verfuhren und die Neutralität des Bayernherzogs Wilhelm nicht respektierten. Das Heer des Obristen Schertlin von Burtenbach, das im Donau-Lech-Gebiet lagerte, war 60 000 Mann stark.

 

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Staudheim fast ganz niedergebrannt. Die Nähe der Stadt Rain, die ab der Schlacht vom 15. April 1632 immer wieder Schauplatz von Belagerungen war, wirkte sich nachteilig auf den Gerichtsbezirk aus.

 

1646 fiel in Staudheim ein Gefecht vor. Anfang Dezember zog eine kaiserliche Heeresabteilung unter Erzherzog Leopold Wilhelm von Augsburg nach Neuburg. Davon verständigte der schwedische Kommandant in Rain, Christoph Steinecker, die bei Donauwörth lagernden schwedischen und französichen Truppen. Die Generäle Wrangel und Turenne setzten bei Oberndorf über den Lech und holten die 2000 kaiserlichen Reiter bei Staudheim ein. Die Kaiserlichen stellten sich am Dorfeingang dem Feind, wurden aber geschlagen; viele wurden getötet, der Rest floh und wurde teilweise bis weit nach Neuburg verfolgt.

 

Die Bilanz dieses folgenschwersten Krieges der bayerischen Geschichte: die Einwohnerzahl von Kurbayern halbierte sich, unser Raum war als Grenzland besonders hart getroffen. Kein Dorf ist von den mordenden und plündernden Truppen und den Marodeuren verschont geblieben. Kurfürst Maximilian I. sagte ja selbst "der arme Bairland" – er, dem sehr viel Schuld zuzuschreiben ist, hatte die Devise ausgegeben "Die Waffen ergreife mit dem güettigen Gott vor allem zur Erhaltung der Religion". Melancholische Lieder entstanden wie in Regensburg der Titel "Es ist ein Schnitter, heißt der Tod". Den Kinderreim "Maikäfer flieg!", gedichtet auf das völlig zerstörte Pommern, kennen wir selbst noch.

 

Siedler, zum Beispiel aus Tirol, halfen das Land wieder aufzubauen. Staudheim hatte sich 1676 – 28 Jahre später – so weit erholt, dass es 30 Haushaltungen zählte. Viele Höfe lagen nach dem Krieg öde, wie das zur Predikatur Rain grundbare ehemalige Gut des Hans Walther (Notiz von 1659). Das Schicksal des Hunzenhofes besiegelte der Krieg zum zweiten Mal. 1676 heißt es, dass der zur Pfarrei Staudheim zählende Hof öde und unbemaiert liegt. Strittig ist laut einer Akte von 1695, ob der "zu feldt" bewirtschaftete Hunzenhof als Hofmark der Klostergerichtsbarkeit oder als einschichtig dem Landgericht untersteht; ein Bauer ist "zu dorff" seit "Schwedenszeiten" nicht mehr vorhanden.

 

Am 25. Mai 1779 kaufte der Neuburger Bürger Ettel (Edel) die Lohmühle zu Niederschönenfeld. Er bekam vom Kloster einen Teil der bislang zur Viehweide benutzten Flächen des Hunzenhofes, um sie künftig ackermäßig zu nutzen und um zusätzliche Einnahmen zu haben. Den Zehnt dieser 20 neuen Jauchert beim Hunzenhof bezogen gemäß eines Vergleichs vom 24. Juli 1780 der Pfarrer von Staudheim und das Kloster gemeinsam.

 

Kaum hatte sich das Land vom Dreißigjährigen Krieg erholt, brachen die streitenden Heere des spanischen Erbfolgekrieges nach den Schlachten bei Höchstädt und am Schellenberg in das Land. Während der Belagerung Rains 1704 wurden von den Engländern viele Häuser und der Pfarrhof niedergebrannt. Zwei Notizen aus dem Kriegsjahr beweisen dies: "Das Zachengütl (zum Spital Rain grundbar) ist glatt abgebrannt worden" und "Ferdinand Muggenthaler, Pfarrer zu Staudheim zu Rain in der Flucht. Er wohnte in der unteren Stube im Organistenhaus und zahlte 3 fl. (=Gulden) Hauszins" 1706 kaufte Martin Stadel die Brandstätte des Andreas Hugl. Der Bilanz des Landesgerichts Rain ist nichts hinzuzufügen: 856 Wohnhäuser, 521 Stadel, 9 Mühlen, 13 Gutshöfe, 3 Schlösser und 3 Kirchen brannten im Gerichtsbezirk nieder.

 

Am 26. Juni 1800 setzten französische Truppen über den Lech. Staudheims Pfarrer Huber berichtet von diesem Tag: "Die abends 7 Uhr als Vorposten zuerst angekommenen roten Husaren drangen mit Gewalt ins Haus, forderten mit dem Säbel in der Faust 20 Louisdor und rissen mich unter Todesgefahr zu Boden – ferneren Gefahren auszuweichen gab ich ihnen alles vorrätige Geld an verschiedenen Sorten, wenigstens 161 fl. Zimmer, Kästen, Kommode mussten geöffnet werden, weil sie sonst alles einzuhauen drohten, sie nahmen daraus ...". Dies war der Anfang; am gleichen Abend plünderten noch die blauen Husaren. Die Plünderungen gingen in den nächsten vier Tagen weiter und Pfarrer Huber verzeichnet allein im Pfarrhof 1153 fl 46 kr. Gesamtschaden – ein Hemd kostete beispielsweise 2 fl., 10 Laib Brot kosteten 3 fl.

 

Der 26. Juni 1800 hinterließ für Jahrzehnte schlechte Erinnerungen: durch Unachtsamkeit des feindlichen Kriegsvolkes kam um Mitternacht Feuer aus, zu der Pfarrer Huber bemerkt "wo 11 Firste (= Gebäude) ganz abbrannten, das ganze Dorf abzubrennen schien und Pfarrhaus und Stadel der Feuersbrust am nächsten war, musste alles ausgeräumt werden ..." Der Schaden an den Gebäuden ist teilweise niedergeschrieben. Lorenz Fecher, Anton Pleimayer, Johann Zinsmeister, Xaver Schmid, Johann Hönbrand und Paul Laux haben zusammen 9500 fl. Schaden erlitten; Pleimayer war mit 4000 fl. am schwersten betroffen.

 

Die nächsten Jahre brachten umwälzende Veränderungen. Dafür sorgte nicht allein Napoleon mit seinen Streitzügen, der viele junge Männer aus allen bayerischen Dörfern zum Waffendienst beim Rußlandfeldzug verpflichtete und 1812 nur wenige zurückbrachte. Da ist einmal die Aufhebung der Klöster und Verstaatlichung des kirchlichen Vermögens 1803 (Säkularisation). Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht wurde 1802 angeordnet. Es gab schon in den drei Jahrzehnten zuvor Landschulen. Nun wurden alle Dorfschaften in die Pflicht genommen, für Räumlichkeit und Lehrerbesoldung aufzukommen.

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