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Heimatgeschichte Staudheim- Bis zum Mittelalter

In den Festschriften zum 75-jährigen Jubiläum des Schützenvereins "Winterlust" Staudheim (1984) und zum 100-jährigen Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Staudheim (1985) sind Beiträge zur Ortsgeschichte von Staudheim veröffentlicht. Beim Schützenverein sind Notizen aus der Zeit bis 1818 wieder gegeben, bei der Feuerwehr wurde die Zeit von 1818 bis 1985 beleuchtet. Da ein Heimatbuch für Staudheim nicht vorliegt und auch die Festschriften nur in begrenzter Auflage gedruckt wurden, stellt der Autor Adalbert Riehl diese Beiträge für die Homepage der Stadt Rain zur Verfügung und hat sie für die Darstellung im Internet in einzelne Kapitel aufgegliedert. Außerdem ist diese kleine Ortsgeschichte auf der Internet-Seite mit den Erläuterungen zur Herkunft und Bedeutung der Straßennamen ergänzt.

 

Staudheim - Von der Frühgeschichte bis ins Mittelalter 

Staudheim liegt am Rande der Hochterasse des Lechrains gegen das Donautal. Der Lechrain wurde in den Eiszeiten vom Urlech geformt. Die großen Wassermassen des Alpenflusses brachten riesige Schottermengen mit sich, die hier als Hügel ablagerten. Der Rückgang der Schmelzwasser bedeutete etwa 10 000 v. Chr. das Ende der landschaftsformenden Kraft des Flusses.

 

In den Brunntaläckern bei Überacker ist ein Siedlungsplatz der Jungsteinzeit (3. Jahrtausend v. Chr.) nachgewiesen. Die folgenden Epochen hinterließen ebenfalls Spuren im Unteren Lechrain, so die Bronze- und Hallstattzeit (1800 – 500 v. Chr.) mit Hügelgräbern bei Bayerdilling und die Kelten (ab 500 v. Chr.) mit ihren Schürfplätzen auf eisenhaltigen Kies.

 

Mehr Licht bringt die Geschichtsforschung schon in die nächste Periode – die Römerzeit. Ab 233 n. Chr. wurde die Nordgrenze des römischen Reiches vom Limes an die Donau zurückgezogen. Dem Lechrain, der zur Provinz Rätien zählte, kam als Grenzland für das Weltreich strategische Bedeutung zu. Schwere Kämpfe zwischen Römern und den aus dem Norden vordringenden Alemannen brachten bald Unruhe in den Donau-Lech-Winkel; um die Mitte des 5. Jahrhunderts zogen sich die Römer zurück.

 

Reiches Zeugnis hinterließ die Römerzeit in der Ortsflur. Die von den Burghöfen bei Mertingen über den Lech führende Römerstraße verläuft von südlich Oberpeiching weiter über die Hochebene durch die Fluren Rain und Mittelstetten, kreuzt westlich Staudheim die Bahnlinie und führt am westlichen Ortsausgang – beim heutigen Römerstein – in die frühere Bundesstraße und heutige Kreisstraße. Die Straße, seit 1980 als "Römerstraße" benannt, führt vom östlichen Ortsausgang weiter nach Burgheim, wo ein römisches Kastell stand.

 

In den Saumwiesen soll ein römischer Gutshof gestanden haben; Siedlungsfunde dieses Zeitalters wurden ferner beim Fischweiher südlich des ehemals vorhandenen Bahnwärterhauses gemacht. Der Fund einer römischen Münze ist für 1845 bezeugt. Eine Sonntagskollekte im Januar jenes Jahres enthielt eine auf den Feldherrn Agrippa (63 – 12 v. Chr.) geprägte Münze.

 

Sicherlich ist Restvolk aus der Römerherrschaft im Lande verblieben. Es vermischte sich mit dem ab dem 6. Jahrhundert aus dem Osten dringenden Mischvolk der Bajuwaren. Nach den –ing-Orten der ersten Landnahme wird die Ortsgründung von Staudheim noch in der ältesten Ausbauzeit zwischen 650 und 750 vermutet. Denn in der Reihe folgten den -ing-Orten die -heim, -dorf, -haus, -stetten und –ach-Orte. 788 wurde das bayerische Stammesgebiet dem Frankenreich Karls des Großen einverleibt.

 

Staudheim hat wegen seiner Verbindung zum Kloster Tegernsee eine interessante frühmittelalterliche Geschichte. Als Herzog Arnulf von Bayern 907 – 937 in seinem Kampf gegen die Ungarn ein bewaffnetes Reiterheer aufstellte, nahm er dem Kloster zum Unterhalt eine Reihe von Dörfern weg. Zum ersten Mal ist Staudheim urkundlich erwähnt in einer 1020/26 verfassten Notiz des Klosters Tegernsee über die ihm vom "Bösen" (diesen Beinamen gaben die Mönche Herzog Arnulf) entfremdeten Orte. Es heißt dort, Graf Otto I. von Dießen (1018 – 1057) besitze die säkularisierten Klosterdörfer Kandesheim, Stutheim, Amerueld und Holapah (= Gansheim, Staudheim, Ammerfeld und Hollenbach). Eine weitere Notiz von 1060 bestätigt die Säkularisation der vier Dörfer.

 

Trotz späterer Reklamationen konnte das Kloster die vier Dörfer nicht mehr in seinen Besitz bekommen. An die einstige Zugehörigkeit zum Kloster Tegernsee erinnert – über ein Jahrtausend später – noch das Patrozinium St. Quirinus. Dem Kloster und dem Patronat wurde 1980 die "St.-Qurin-Straße" gewidmet.

 

Im Salbuch (Beschreibung des Güterbesitzes) des Wittelbacher Herzogs Ludwig des Strengen von 1280 ist Staudheim nicht erwähnt.

 

Wiederholt erscheint der Ortsname im 14. Jahrhundert: am 23. April 1312 verkauften Herneit und sein Sohn Hermann von Holzheim ihren Besitz in Staudheim dem Kloster Thierhaupten, das Abt Ulrich VI. vertrat. Die ritterbürtigen Holzheimer hatten im 13. Jahrhundert den Maierhof mit Hirtschaft und sechs Hofstätten in Besitz. 1452 verkaufte Abt Kaspar von Thierhaupten den Zehnten aus dem Konradshof von Staudheim mit zwei Hofstätten im Rainer Gericht dem Hans Weilhamer, Kastner zu München. Thierhaupten besaß seine acht Höfe in Staudheim (einer war geteilt worden) bis zur Klosterauflösung 1802. Das Zisterzienserinnenkloster Niederschönenfeld, zu den bedeutendsten Grundbesitzern des Rainer Winkels zählend, erwarb 1323 einen Hof durch Schenkung und 1331 den Sandhof durch Kauf.

 

Im 13. und 14. Jahrhundert saß in Staudheim eine dem Ort entstammende sozial gehobene Familie, die Staudheimer, die im Gegensatz zu den Holzheimern aber nicht bis zur Ritterwürde und Siegelfähigkeit aufstiegen. Eine Ulricus de Stauda ist 1241 erwähnt. 1326 ist ein Heinrich der Stauthamer von Stautham genannt, Conrad von Stuthaim ist 1330 Kleriker von St. Moritz in Augsburg. Sifrid (oder Sigfrid) der Stathamer und seine Frau Margareth schenkten 1350 auf ihren Todesfall ihr Gut daselbst, bestehend aus 33 Jauchert Äckern, 10 Tagwerk Wiesen, 2 Hofstätten und 2 Gärten dem Kloster Niederschönenfeld. Die Lage der Ackergrundstücke ist bezeichnet mit "uff dem Mitterveld, - im 3. Feld gen Bruntall – und gen der Hochstraß", die Wiesen liegen "bei Huntzenhoven, uff dem Sporrer und 2 Tagwerk die heißend vorschall".

 

Diese Familie der Staudheimer verschwindet später. Sie ist entweder ausgestorben oder in den Bauernstand zurückgetreten.

 

Die ersten Familiennamen aus dem frühen Staudheim überliefert das Salbuch Ludwig des Gebarteten von 1417. Der Landfried beschreibt die Pflichten des Ortes für die Landesarmee. Die vier eigenen Leute (= Leibeigene) des Herzogs hießen "der Wideman, Hainz Hutter, Ull Hutter und Ull Herwart" (oder Gerwart).

 

Das Patronatsrecht der Pfarrei wird im gleichen Salbuch den Rindsmaul von Straß zugeschrieben. Später, in einer Notiz von 1516, hat das Patronat den Riederern von Baar zugestanden. Die Gutsherren von Baar – namentlich sind die Muggenthaler (1605), die von Höhenkirchen (1704) und die Freiherren von La Fabrique (1822) nachweisbar – werden noch 1845 als Patronatsherren von Staudheim erwähnt.

 

Interessant für die Geschichte des Mittelalters ist die Beobachtung der kleinen Dörfer und Einöden. Wie uns die Herzogurbare von ca. 1229 und 1280 zeigen, gab es im Landgericht Rain früher bedeutend mehr Ortschaften. Die Kriege fegten viele dieser kleinen Orte weg oder trieben die Bewohner in größere Ortschaften zusammen; hinzu kam der mit Kriegszügen verbundene Bevölkerungsverlust.

 

Abgegangen ist so die Einöde Brunntal. Eine Mühle im Brunntal ist in herzöglichen Salbüchern von 1280 und 1350 erwähnt. Die Fischzucht an diesem Ort hat eine lange Geschichte. 1417 sagt das Salbuch, zu Prunnental gebe es eine "gute Weyerstat".

 

Zu "Hunzenhofen" besaß das Kloster Niederschönenfeld zwei Gütchen, woran das Kloster Tegernsee – wie es scheint – Obereigentümer war. Am 1. September 1261 übertrug Abt Rudolph und der Konvent zu Tegernsee alle Rechte, die sie daran hatten, dem Kloster Niederschönenfeld, "welches ihrer im Gebete ewiglich eingedenk sein solle". Die frühere Verbindung Staudheim – Tegernsee lebte hier also über zwei Jahrhunderte nach der bekannten Notiz von 1020/26 weiter.

 

1325 ist eine Schmalau bei Hunzenhofen erwähnt und Familiennamen werden vom Ort abgeleitet: 1499 ist Wolfgang Huntzenhofer ein Gerichtschreiber in Neuburg. – Ein anderes Dorf unseres Raumes lebt heute noch in einem Familiennamen: die Bruglachner haben das vor Rain gelegene und eingegangene Dorf Brucklach als Namenspaten. 1509 erscheint Leonhard Huntzenhover als Bürger von Rain in einer Akte über seinen Zwist mit dem Kloster Niederschönenfeld. Er hatte 1504 in Kriegszeit seinen Hof verlassen.

 

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