Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Stadt Rain  |  E-Mail: info@rain.de  |  Online: https://www.rain.de

Heimatgeschichte Sallach - Filialkirche St. Ulrich

Überblick über die Geschichte der Filialkirche und der Kirchenstiftung 

Das Patronat St. Ulrich nach dem Augsburger Bistumspatron (890-973) dürfte im 11. oder 12. Jahrhundert entstanden sein. Spätestens ist es in der Welle anzusetzen, als das Grab des Hl. Ulrich 1183 nach einem Brand des gleichnamigen Klosters in Augsburg wieder aufgefunden wurde, seine Verehrung einen Aufschwung erfuhr und ihm im Augsburger Bistum viele Kirchen erbaut wurden. Ob in Sallach schon vorher eine Kirche mit anderem Patronat stand, lässt sich nicht feststellen. Nach den Bayerischen Landtafeln (Erstausgaben 1563) zu schließen, hatte der frühere Kirchturm ebenfalls schon ein Satteldach; Philipp Apian hat sorgfältig gearbeitet – von ihm ist die erste Karte, die Sallach ausweist. Die heutige Kirche ist vermutlich ein Bau des 17.Jahrhunderts, vielleicht unter Verwendung älterer Reste; die Sakristei an der Südseite wurde 1863 erneuert. Der Kunstdenkmäler beschreibt das Gotteshaus so: "Das langgestreckte Schiff, dessen Mauern in der Mitte merkwürdig nach außen ausweichen, ist im Osten dreiseitig geschlossen. Außen an den Ecken des Polygons einfache Strebepfeiler mit Pultdächlein. Flache Decke und Westempore, hohe korbbogige Fenster. Im Westen rechteckiges Portal in Segmentbogennische mit Vorzeichen. Auf der Nordseite viergeschossiger, quadratischer Turm mit Ecklisenen und Lisenengliederung in den Geschossen. Segmentbogige Schallöffnungen (z. T. zugesetzt) und hohes Satteldach; Untergeschoss des Turms mit Kreuzgratgewölbe. Außen an Chor, Turm und Sakristei Sockel. Altar: Gegen Mitte des 18.Jahrhunderts, viersäuliger Aufbau mit seitlichen Durchgängen. Die glatten Säulen mit korinthisierenden Kapitellen. In der flachen Mittelnische lebensgroße Holzfigur des hl. Ulrich; seitlich zwischen den Säulen die Holzfigur der Hl. Katharina und Barbara. Auf den Durchgängen die Hl. Leonhard und Joh. Nepomk. Im Strahlenkranz des Auszugs Jesukind mit Kreuz umgeben von Wolkenballen und Engelsputten; Dekor vergoldet. Hinterglasbild: Kruzifix, Ende 18. Jahrhundert aus dem Bayer. Wald. Höhe 0,09, Breite 0,07m."

 

Die Kirchenglocken spiegeln Geschichte wieder. 1890 wurde anstatt der alten zersprungenen Glocke eine neue für 991 Mark gekauft, ebenso ein neuer, eiserner Glockenstuhl; am 2. April 1891 wurde diese Glocke bereits geläutet. Seit Menschengedenken waren zwei Glocken vorhanden. Im Ersten Weltkrieg kam die kleine Glocke weg und wurde nach Kriegsende ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die große Glocke für Rüstungszwecke eingezogen. Sie wurde danach durch die in Münster verbliebene ersetzt. Die Kirche Münster bekam ein neues, harmonisches Geläut. Die Glocke aus Münster wurde 1730 in Augsburg gegossen, hat zwei Umschriften und ist reich verziert, unter anderem mit Reliefs (Maria auf Mondsichel, Hl. Johannes d. T. und Josef mit Jesukind).

 

Angesichts einer vermögenden Kirchenstiftung war um 1862 eine gründliche Renovierung mit Umbau von der Gemeinde gewünscht. Ausführliche Pläne von Prof. v. Kramer aus Augsburg sind vorhanden. Die Kirche wäre im neugotischen Stil umgebaut worden. Die Maßnahme, mit 4600 Gulden veranschlagt, hätte hauptsächlich erfasst: neuen Altar mit Bildnis des hl. Ulrich, der hl. Afra und der hl. Maria, neue Kanzel, neue Kreuzwegstationen, Renovierung des Pflasters, Anstrich der Stühle und des Innern, Erweiterung nach Westen unter Beseitigung des Vorbaues, Erhöhung des Turmes, der ein Spitzdach erhalten sollte, Einbau einer Uhr, Errichtung einer Umfassungsmauer um die Kirche ("zum Schutz vor Schmutz der Menschen und Tiere wie auch dem Andrange von Holz und Mistwägen erforderlich"). Als Pfarrer Schweble von Gempfing anfangs 1862 starb, war der Bau praktisch genehmigt. Der Pfarrvikar schob aber den Baubeginn hinaus, er war gegen den Bau und begründete dies ausführlich; die endgültige Entscheidung überließ er dem künftigen Pfarrer. Die Gründe sind einleuchtend: in Sallach ist regelmäßig nur der Patroziniumsgottesdienst, die Ausgaben sind unverhältnismäßig, der Turm soll nur dem Baustil angepasst, die Sakristei, die zu feucht und klein war, wurde nicht berücksichtigt. Schließlich besitze die Pfarrei Gempfing, wenn Sallach baut, überhaupt keine vermögende Kirchenstiftung mehr. Sallach wollte mit dem Geldverbrauch erreichen, künftig aus der Kirchenkasse keine auswärtigen öffentlichen Projekte mehr mit finanzieren zu müssen. Dieser Meinung schloss sich der neuernannte Pfarrer Immler an und er konnte die Kirchenverwaltung überzeugen, dass beispielsweise die Verlängerung überflüssig ist.

 

1863 wurde entsprechend den Vorschlägen des neuen Pfarrers in kleinerem Rahmen renoviert: Reparatur des Dachs, Putzergänzung, Tünchen, neue Sakristei, Ergänzung des Solnhofer Pflasters, neue Kreuzwegstationen, Fassung von Altar und Kanzel sind die wesentlichen Arbeiten. Die anderen Posten entfielen und brachten eine erhebliche Geldeinsparung. In den folgenden Jahrzehnten waren verschiedene kleinere Arbeiten. Die Uhr wurde Ende 1874 oder 1875 eingebaut, die Stiftung zahlte sie aus ihren Überschüssen, die Gemeinde trug die Nebenkosten (bauliche Vorrichtung und künftiges Aufziehen). Vom Mißverhältnis der reichen Stiftung zur armseligen Ausstattung wird 1891/92 berichtet: obgleich die Kirchenstiftung Sallach zu den reichsten des Bezirks zählte, war sie an Paramenten (Meßgewänder) arm und das einzige Missale Romanum war bereits 200 Jahre alt, die Blätter lose, stark beschmutzt und zerrissen. Die Anträge für Ersätze wurden genehmigt, allerdings durfte das Festmeßkleid statt der beantragten 385 Mark nur 190 Mark kosten – da nur am Fest des hl. Ulrich ein Gottesdienst in Sallach war. Die wöchentliche Messe wurde erst im 20. Jahrhundert eingeführt. Entgegen dem Sallacher Wunsch für ein Schieferdach wurde die alte Blechbedachung des Kirchturms 1908 (im Zuge einer kleinen Renovierung) durch Biberschwänze ersetzt, da sich das gewünschte Material nicht ins Ortsbild eingefügt hätte. Die Kirchenstiftung Sallach war noch an der Jahrhundertwende sehr reich, denn 1898 erzielte sie aus dem Vermögen 1160 Mark; unter Ansatz von 5 % Zins (das ist für die damalige Zeit ein hoher Ausleihsatz) ergeben sich 23 000 Mark Stiftungskapital. So musste man neben den laufenden Ausgaben von nur 268 Mark und Reparaturen in der Filialkirche auch kräftig für Pfarreibauten (z. B. Friedhofsmauer, Waschküche) mit zahlen und mehrere Jahre wurden je 300 Mark für den Gempfinger Schulhausbau überwiesen. Dies ersparte auf der anderen Seite Gemeindeumlage.

 

Die Wichtigkeit des Kirchenweihtages unterstreicht ein Vorgang von 1862. In der Diözese Augsburg war 1854 dieser Tag einheitlich auf den dritten Sonntag im Oktober festgesetzt worden; Sallach hatte zuvor am 2. Sonntag im September sein Kirchenweihfest. Da kein eigener Pfarrer vorhanden ist und Gempfing am gleichen Tag feierte, kann in Sallach keine Messe mehr sein. Für die weltliche Feier (anscheinend wegen Auswüchsen war vom Ministerium allgemein angeordnet, dass aus diesem Anlaß nur an zwei Tagen Tanzmusik stattfinden darf), so beklagen die Sallacher, seien keine Musiker zu bekommen, so dass ihnen das "gebührende Vergnügen" entgeht. Der Pfarrer fühlt sich zur Stellungnahme zu dem Antrag der Gemeinde nicht kompetent, sagt aber, die weltlichen Lizenzen für Tanz sollten gering gehalten werden im Interesse der Sittlichkeit und der Disziplin der Christlichenlehrpflichtigen. Dem Antrag auf Rückverlegung des Kirchenweihtages wird behörlicherseits für den weltlichen Teil zugestimmt, die kirchlichen Feier am zweiten September-Sonntag wird allerdings 1862 nicht gestattet. In der gleichen Zeit wird für Rain die Verlegung auf Sonntag und Montag nach Michaeli erlaubt.

 

Einem Bericht von Gemeinde und Kirchenverwaltung zu schließen, fanden zu dieser Zeit jährlich in Sallach der Patroziniumsgottesdienst, dann der 1854 weg gefallene Kirchweihgottesdienst und die Quatembermesse statt.

 

In neuerer Zeit sorgten sich die Sallacher durch umfangreichere Aussenrenovierungen in den Jahren 1967 und 1985 sowie eine Innenrenovierung anno 1972 um ihre Dorfkirche.

drucken nach oben