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Heimatgeschichte Etting - Ettinger Persönlichkeiten

Bedenkt man, dass Etting nur etwa 200 Einwohner zählt und bis zur Reform von 1969 stets eine einklassige Schule für alle Jahrgangsstufen hatte, so überrascht die Zahl von Persönlichkeiten, die aus dem Dorf hervor gegangen ist. Bedenken muss man dabei noch die ungleich schlechteren Bildungschancen, die die Jugend auf dem Land früher hatte. Stellvertretend für die hervorragenden Leistungen der Lehrer von Etting sei Franziska Weigl genannt, die von 1937 bis zur Auflösung 1970 die Schule leitete. Sie wurde am 11. Januar 1913 in Emskeim geboren. Nach der Schulreform wechselte sie an die Sondervolksschule Neuburg; hier in der Donaustadt starb sie plötzlich am 7. Dezember 1974. Beerdigt wurde sie auf dem Friedhof in Übersfeld.

 

Ungewöhnlich ist die Vielzahl von Ordensleuten, die aus dem Dorf hervor ging. Beginnend mit den drei Priestern, die am Anfang und am Ende des Zeitraumes von weniger als 100 Jahren stehen, sollen 15 gebürtige Ettinger sowie Adelhelm Beck und Wolfgang Steiner vorgestellt werden. Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Aus der 3. Ehe des Tödtinger Bauern Josef Gastl mit der Witwe Maria Anna Sighart, geborene Burlafinger (von Etting) gehen am 27. August 1853 die Zwillinge Josef und Leonhard Gastl hervor. Einen Tag vor ihrem 24. Geburtstag feierten Josef und Leonhard auf der Point gegenüber der Tödtinger Kirche gemeinsam ihre Primiz. Das Taubenhaus des Tödtinger Hofes erinnert mit der eingekerbten Jahreszahl noch an jenes außergewöhnliche Fest.

 

Josef Gastl war zunächst Kaplan in Tandern und Schulexpositus in Schöffau bei Mumau. Am 27. April 1884 wurde er Pfarrer in Münster, am 17. August 1890 wechselte er auf die Pfarrei Wattenweiler bei Krumbach. Seit 14. Januar 1904 war er Pfarrer in Lauchdorf, wo er am 10. Dezember 1908 starb und auch seine letzte Ruhestätte erhielt. Leonhard Gastl war in seinen knapp 42 Priesterjahren an drei Wirkungsstätten im Allgäu tätig, zunächst als Kaplan in Weiler, ab 2. November 1878 als Katechet und Oberlehrer in Simmerberg und seit 7. August 1884 als Pfarrer in Frauenzell. Er wurde später Dekan und Kammerer. Leonhard starb am 5. Mai 1919 in Frauenzell und ist dort begraben. Er war Pate seines 1865 auf dem Tödtinger Hof geborenen gleichnamigen Neffen; dieser zweite Leonhard war bereits ins Dillinger Priesterseminar eingetreten, als er zwei Tage vor seinem 20. Geburtstag an einer unheilbaren Krankheit verstarb.

 

Anton Stemmer wurde am 2. Juni 1933 in der Kopfmühle geboren, besuchte die acht Klassen der Volksschule Etting und legte nach dreijähriger Lehre als Müller in der Klostermühle von St. Ottilien im Frühjahr 1951 die Gesellenprüfung ab. Spätberufenenseminar Fürstenried beziehungsweise Waldram bei Wolfratshausen (ab September 1953 ), Abitur 1958 und anschließendes Studium der Philosophie und der Theologie am Priesterseminar Dillingen waren die Stationen auf dem Weg zur Priesterweihe (21. Juni 1964 in Dillingen) und zur Primiz. Festprediger war an jenem 28. Juni 1964 in der Kopfmühle der jetzige Weihbischof Rudolf Schmid. Die ersten Stationen des priesterlichen Wirkens waren Stadtkaplan in Schwabmünchen und Pfarrer in Wertach. Von September 1987 bis August 2007 war er Pfarrer in Utting am Ammersee, ab 1. November 1990 war er zugleich 12 Jahre lang Dekan des Dekanates Dießen. Am 1. September 2007 trat er in den Ruhestand und wohnt nun in München. (Bericht von der Verabschiedung in Utting.)

 

Bruder Florian Burlafinger wurde am 4. Mai 1877 geboren; als Sohn aus einem kleinen Anwesen musste er sehr früh schon als Bauernknecht dienen. Am 22. April 1904 empfing er in Engelport (Rheinland) das Gewand des Oblatenordens der Unbefleckten Jungfrau Maria, die ewigen Gelübde legte er am 1. Mai 1911 ab. Im 1. Weltkrieg musste er Wehrdienst leisten. Wie seit dem Frühjahr 1914, so arbeitete er danach in der Landwirtschaft der Ordensschule St. Karl in Volkenburg/Holland. St. Nikolaus bei Neuß (ab August 1924), Gelsenkirchen (ab 1933) und Aufhofen in Württemberg (ab 1939) waren seine weiteren Wirkungsstätten. Er wird als fromm, demütig, fleißig und fröhlich geschildert. In Aufhofen starb er am 10. Juli 1950 und wurde dort begraben.

 

Bruder Ambrosius (Jakob) Würfl, geboren am 25. März 1878, besuchte um die Jahrhundertwende die Winterschule in Augsburg. Von dort brachte er Kenntnisse mit, die zusammen mit dem Haselbacher Vorbild und der Mitwirkung seines Vaters die Wiesenkultivierung (ab 1903) und die Gründung der Raiffeisenkasse auslösten. Er legte am 8. September 1908 die Gelübde des Benediktinerordens ab und war während seiner knapp 32-jährigen Ordenszeit stets in der Ökonomie der Erzabtei St. Ottilien tätig; in diesem Kloster starb er am 9. Mai 1940.

 

Mit Schwester M. Eilberta (Josefa) Würfl ging aus den acht Geschwistern des Hanselbauern-Anwesens auch eine Ordensfrau hervor. Sie wurde am 6. Februar 1891 geboren, führte mit zwei Schwestern während des 1. Weltkrieges den Hof, trat 1923 in den Orden der Franziskanerinnen (Dillingen/Maria Medingen) ein und ging erst 1983, 92-jährig, in den Ruhestand. An den Folgen eines Unfalls starb sie am 4. November 1986 in Dillingen.

 

Schwester Ludovika (Walburga) Hansmann wurde am 27 .September 1900 geboren. Sie trat in den Orden St. Elisabeth in Neuburg/Do. ein und legte dort am 12. September 1927 die Gelübde ab. Die längste Zeit ihrer Ordenszugehörigkeit arbeitete sie in der Landwirtschaft; sie starb am 27. September 1963, ihrem 63. Geburtstag, in Neuburg.

 

Schwester Madelwina (Kreszenz) Gastl wurde am 29. Mai 1910 in Tödting geboren. Sie trat in den Orden der Franziskanerinnen in Dillingen ein. Hier legte sie am 26. März 1934 die Profeß ab. Lange Jahre war sie in der Wäscherei des Ordenskrankenhauses in Neukirchen bei Heiligblut tätig. Hier in der Oberpfalz ist sie am 23. Januar 1973 auch gestorben, begraben wurde sie auf ihren Wunsch im Familiengrab in Etting.

 

Schwester Adelhelm (Kreszentia) Beck ist zwar am 1. Dezember 1906 in Längloh geboren, sie wohnte aber vor ihrem Ordenseintritt im Ettinger Hirtenhaus. Sie trat in die St. Josephskongregation in Ursberg ein und legte hier am 19. März 1931 ihre Profeß ab. Am 19. März 1987 starb sie in Ursberg.

 

Schwester Maria Magdalena (Monika) Stegmeier wurde am 10. Juni 1921 auf dem Brunnenhof geboren und wuchs dort mit weiteren sieben Geschwistern auf. Sie trat am 6. Juli 1946 in das Kloster der Salesianerinnen von Don Bosco in Dietramszell ein, legte hier am 2. Juli 1949 die einfache Profess und am 2. Juli 1955 die ewige Profess ab. Schwester Maria Magdalena war im Garten und am Klosterhoftätig. Heute (1994) arbeitet sie in der Küche.

 

Gregor Würfl wurde am 7. November 1893 geboren. Im 1. Weltkrieg verlor er den linken Arm (Amputation durch Professor Ferdinand Sauerbruch). Er wurde 1924 erstmals zum Bürgermeister gewählt. Die mit Abstand längste Amtszeit eines Ettinger Bürgermeister und die Wiederwahlen mit stets mehr als 95 Prozent zeugen von einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. An seiner Kompetenz konnten weder 1933 die neuen Machthaber (obwohl er nicht der NSDAP angehörte) noch 1945 die amerikanische Besatzung vorbei. Gregor Würfl war dadurch ununterbrochen 42 Jahren im Amt. Gregor Würfl erkannte stets die Zeichen der Zeit, war immer Vorbild, hatte mit seinem Bruder Peter (Justizoberinspektor in Eichstätt) einen hervorragenden Berater und stellte sich ganz in den Dienst seines Heimatortes. Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes anerkannte sein Lebenswerk. Er starb am 28. Juli 1974 in Etting.

 

Am 2. April 1902 zog Josef Fischer unter dem Zwölfuhrläuten, begleitet von der gesamten Schuljugend, mit einem fahrbaren Holz-Vollgatter und einer Dampfmaschine in Monheim ein und stellte die Geräte auf einem Pachtacker auf. Die Geburtsstunde der Holzwerke Fischer hatte geschlagen. Josef Fischer wurde am 3. Oktober 1870 als 3. von 12 Kindern der Eheleute Johann und Kreszentia Fischer (Brindler) geboren. Josef erlernte das Zimmermanns- und das Müllerhandwerk, kaufte sich 1897 zusammen mit seinem Bruder Hans eine Dreschgarnitur und zog damit von Hof zu Hof. 1901 kaufte er sich das fahrbare Vollgatter. Am 19. Januar 1904 heiratete er Kunigunde Pfahler aus Neuburg. 1907 beschäftigte er bereits 7 Arbeiter, 1911 erhielt er einen Bahn-Werksanschluss, 1914 besass er auch vier Dreschmaschinen und 1927 war die Belegschaft auf 25 Arbeiter angewachsen. Am 11. September 1934 übergaben die Eheleute Fischer an den Schwiegersohn, Ingenieur Hans Löfflad (gebürtig von Rain, er hatte 1921 die einzige Tochter, Theresia, geheiratet). Am 6. Mai 1935 starb Kunigunde Fischer. Josef heiratete 1937 nochmals und ging nach Augsburg; er starb am 18. Mai 1948 und wurde in Monheim beigesetzt. Am 4. bzw. 12. September 1952 verstarben Theresia und Hans Löfflad. Der 23-jährige Hans Löfflad jun. mußte plötzlich den Betrieb übernehmen, nun ging es berab. Hans Löfflad musste schließlich am 1. Juli 1960 das Werk an die SVEDEX-Firmengruppe Schwab in Reutlingen verkaufen. (Anmerkung 2009: SVEDEX besteht zwischenzeitlich auch nicht mehr.)

 

Heinrich Gastl wurde am 4. Januar 1912 in Tödting geboren. Er absolvierte die 8 Klassen der Volksschule Etting und 1925 bis 1934 das Gymnasium Dillingen. Er studierte in München, war zunächst Volks- dann Berufsschullehrer. Lange Jahre war er Leiter der Berufsschule Neuburg/Do., wo er auch im Ruhestand wohnhaft war. Verstorben ist Heinrich Gastl am 9. März 1997 in Neuburg a.d. Donau.

 

Ebenfalls im Lehramt tätig waren Maria Ruisinger und Barbara Degmayr, beide geborene Stegmeier, aufgewachsen auf dem Brunnenhof. Maria Ruisinger war jahrzehntelang Volksschullehrerin in Baar, Barbara Degmayr arbeitete lange Jahre in der Volksschule Gempfing und der Grundschule Rain. Im Ruhestand wohnen sie weiterhin in Baar bzw. Gempfing. ln Etting geboren ist ferner Ferdinand Utz, seit 1975 an der Gebrüder-Lachner-Hauptschule Rain tätig.

 

Besondere Erwähnung verdient Geistlicher Rat Wolfgang Steiner, geboren 1912 in München, aufgewachsen in Bernbeuren, gestorben 1990 und in Gempfing beerdigt. Pfarrer Steiner war seit 1939 Benefiziumsvikar, ihm wurde mit Beschluss vom 1. März 1964 das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Etting verliehen "aus Anlass der Vollendung seiner 25-jährigen segensreichen Tätigkeit als Seelsorger der hiesigen Gemeinde in Dankbarkeit und Wertschätzung und in Würdigung seiner bleibenden Verdienste um unsere Gemeinde und unser Gotteshaus sowie den Schulhausneubau".

 

Quelle: Adalbert Riehl in "100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Etting", 1994 (teilweise aktualisiert 2009).

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