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Heimatgeschichte Etting - Abriss von der Jungsteinzeit bis ins 20. Jahrhundert

In den Festschriften zur Fahnenweihe des Schützenvereins "Jennerwein" Etting (1984) und zum 100-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr (1994) sind Beiträge zur Ortsgeschichte von Etting mit Tödting, Kopfmühle und Brunnenhof veröffentlicht. Da ein Heimatbuch für Etting nicht vorliegt und auch die Festschriften nur in begrenzter Auflage gedruckt wurden, stellt der Autor Adalbert Riehl diese Beiträge für die Homepage der Stadt Rain zur Verfügung.

 

Weitere Festschriften haben der Schützenverein "Jennerwein" Etting zum 25-jährigen Jubiläum (1995) und der Krieger- und Soldatenverein zur Weihe der renovierten Fahne (1997) heraus gegeben. Diese Publikationen enthalten keine ortsgeschichtlichen Beiträge und sind für diese Internet-Seite nicht berücksichtigt.

 

Etting - Abriss von der Jungsteinzeit bis ins 20. Jahrhundert 

Etting und Tödting liegen in einem Seitental des Unteren Lechrains.

 

Diese Landschaft wurde von den unvorstellbar großen Wassermassen des Urlechs in der Eiszeit geformt. Der Fluß brachte große Schottermassen mit sich, die sich als Hügel und Höhenrücken ablagerten. Um ca. 10 000 v. Chr. verebbte die landschaftsformende Kraft des Lechs durch den Rückgang der Schmelzwasser.

 

In der Umgebung fand man Zeugnisse menschlicher Besiedlung aus der Jungsteinzeit (Brunntal bei Überacker, 3. Jahrtsd. v. Chr.) wie der folgenden Bronze- und Hallstattzeit. Im Esterholz finden sich drei Hügelgräber ("Dreibück") mit frühlatènezeitlicher Nachbestattung (um 500 v. Chr.). Diese Zeit der Kelten lebt in der Sprache weiter. Die Flußnamen unserer Gegend sind keltischen Ursprungs und in der Umgangssprache hielt sich beispielsweise das "nacht" in der Bedeutung von "gestern".

 

Funde von Römermünzen und die Straße, die bei Oberpeiching über den Lech kam und weiter nach Staudheim und Burgheim führt, sind Zeugnisse der nächsten Epoche. Ab 233 n. Chr. wurde die Donau die Nordgrenze des römischen Reiches, der Lechrain war erstmals nachweislich Grenzland. Schwere Kämpfe zwischen Römern und Alemannen brachten schon bald Unruhe; um die Mitte des 5. Jahrhunderts zogen sich die Römer zurück. Ab etwa 520 besiedelte das aus dem Osten vordringende Mischvolk der Bajuwaren den Rainer Winkel und dürfte sich mit den Resten des verbliebenen römischen Volkes vermischt haben.

 

In der ersten Welle wurden die -ing-Orte nahe der Römerstraße – Peiching, Bayerdilling und Gempfing – gegründet, unmittelbar folgten die -ing-Orte in den Seitentälern des Lechrains, so Etting und Tödting. Die Siedler nannten ihre Dörfer nach den Sippenältesten – Etting soll der "And" und Tödting der "Dodo" bei der Namensgebung Pate gestanden haben.

 

Viel später erst ist der Ursprung der Ortsnamen Brunnen und Kopfmühle zu suchen. Denn erst folgten die -heim, -dorf, -haus und -ach-Orte, bevor örtliche Gegebenheiten Pate stehen mussten: Brunnen hat seinen Namen durch die Lage an einer Quelle bekommen.

 

Erstes schriftliches Zeugnis des Ortsnamens ist eine Urkunde der Grafen von Scheyern (das spätere Haus Wittelsbach): Bernhard I. schenkte darin Güter in "Otingen" seinem Hauskloster Fischbachau. "Prunne" erscheint im 2. Urbar (Güterbeschreibung) der Wittelsbacher, entstanden um 1270, als Besitz der Herzöge von Bayern. In Urkunden von 1329, 1330 und 1335 (Klöster Niederschönenfeld und Indersdorf) ist Tödting die ersten Male erwähnt – als "Tettingen" bzw. "Toettingen". In der heutigen Schreibweise erscheinen Etting und Tödting relativ früh schon anno 1663 in Steuerbüchern des Kreisarchivs München.

 

Um 1100 erscheinen als Grundherrn in Etting neben denen von Scheyern noch die Grafen von Lechsgemünd und etwas später die Gumppenberg zu Pöttmes. Die Lechsgemünder überließen ihren Besitz in Etting (die Kapelle, den Widdumhof und ein Gütlein) ihrem Hauskloster Niederschönenfeld. Gegen den Zehent in Peiching vertauschte Niederschönenfeld aber diesen Besitz 1312 an das Kloster St. Walburg in Eichstätt. 1344 erwarb Niederschönenfeld erneut zwei Höfe und 1447 einen Hof vom Domkapital Augsburg. Seit 1650 erscheinen als weitere Grundherrn das Kastenamt Rain (für den Herzog), die Gumppenberger, die Hofmark Walda und die Sandizeller; die höhere Gerichtsbarkeit stand stets dem Landgericht Rain zu.

 

Durch die Lage im Gerichtsbezirk Rain teilte Etting das bewegte Schicksal der Grenzstadt. Die Bauern litten immer wieder schwer unter der Geißel des Krieges; dazu kamen Naturkatstrophen, die Hunger, Not und Tod mit sich brachten.

 

1348 berichtet die Chronik von Erdbeben und anschließenden Pestjahren in Bayern. Schwere Kriegszüge und Plünderungen hinterließen ihre Spuren in den Jahren 1388 (Städtekrieg), 1419, 1462, 1504 (Landshuter Erbfolgekrieg) und 1546 (Schmalkaldischer Krieg), dessen besondere Tragik für den Rainer Winkel war, dass er unter Missachtung der Neutralität auf den bayerischen Boden ausgedehnt wurde. Umso mehr Schuld aber lud der bayrische Kurfürst, Maximilian I., beim Dreißigjährigen Krieg auf sich. Er, der den Kontinent von der "Ketzerei" befreien wollte, sprach selbst von armen Bayernland – das 1648 total zerstört war.

 

Die Bilanz des Krieges: In Kurbayern geht die Einwohnerzahl um die Hälfte zurück, unser Grenzgebiet war besonders schwer betroffen. In Augsburg überlebten die Eroberung durch die Schweden von 90 000 Leuten gerade 17 000, in Aschaffenburg gab es 1635 noch 35 Bewohner. Ein Mönch des Klosters Oberaltaich fasste das Geschehen, das selbst vor Kanibalismus nicht zurückschreckte, in die Worte: "Da gabs grob Stoss und gegenwehr, Hieraus entspross Raub, Mordt und Todt, Falschgelt, Zwang, Theurung, Hungersnot."

 

Kaum hatten sich die Verhältnisse stabilisiert, hatte man die öden Höfe wieder aufgebaut, brach 1704 der spanische Erbfolgekrieg über den Rainer Winkel. 856 Wohnhäuser, 512 Stadel, 9 Mühlen, 13 Gutshöfe, 3 Schlösser und 3 Kirchen hatten die alliierten englischen, österreichischen und kaiserlichen Truppen bei ihrem Durchzug nach den Schlachten bei Höchstädt und am Schellenberg niedergebrannt. Die Machtgelüste der wenigen Großen waren in dramatischer Weise wieder auf den Rücken der vielen Kleinen ausgetragen worden.

 

Trotzdem fasste man immer wieder Mut, baute auf, was zerstört war. Dazu vergas man nie, dem eigentlichen Herrn – Gott – die Ehre zu erwiesen. Aus allen Epochen liest man von Kirchen- und Kapellenbauten. Die heutige Kirche von Etting, von jeher eine Filiale von Gempfing, geht in ihrem Ursprung in das 14. Jahrhundert zurück. Der Hochaltar stammt aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, das Bild zeigt die Kreuzigung Christi, daneben die Schnitzfiguren der Kirchenpatrone Peter und Paul. Noch älter ist das fast lebensroße Kruzifix, es ist in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden. Auf das 18. Jahrhundert datieren die teilweise Barockisierung der Kirche und der Anbau der Sakristei sowie die Entstehung der jetzigen Seitenaltäre.

 

Die frühere Wallfahrtskirche St. Anna in Tödting ist in ihrem Ursprung nur wenig jünger. Der quadratische Unterbau des Turmes und die Sakristei sind spätgotisch (vor 1500). Chor, Schiff und Hochaltar entstanden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die beiden Seitenaltäre jedoch erst viel später um 1880.

 

Größe und wirtschaftliche Verhältnisse der ehemaligen Gemeinde schildert erstmals die Güterbeschreibung von 1752 komplett. Etting bestand aus 20 und Tödting aus 4 Anwesen, während Brunnen und Kopfmühle – seit jeher – Einöden waren; die überlieferten Hausnamen sind teils heute noch gebräuchlich:

 

Etting Kloster Scheyern: 1/1-Hof (Schmarbauer); Kloster Niederschönenfeld: 1/1 (Graf), 1/16 (Dallermann); Kloster Kühbach:1/2 (Kastenbauer); Kloster St. Walburg-Eichstätt:1/2 (Wirt), 1/8 (Schuster), 1/16 (Meister); Kirche Gempfing: 1/8 (ohne Hausnamensangabe); Kapelle Rain: 1/2 (Hänselbauer); Ortskirche: 1/2 (Neeß); Kastenamt Rain: 1/16 (Schmid); selbsteigen: 1/8 (Schneiderbartl), 4 je 1/16 (Schuster, Schneider, Pfeifer-Thoma, Stock); einsichtig zur Hofmark Sandizell-Edelshausen: 2 je 1/2 (Gaßl, Pernauer); zur Hofmark Walda: 1/8 (Wittmeier); zur Herrschaft Gumppenberg 3. Teil Pöttmes: 1/16 (Frauerweber).

 

Tödting: Kloster Niederschönenfeld: 1/1 (Tödtinger Gut); Kloster Scheyern: 1/8 (Untere Mühle); Frühmesse Gempfing: 1/8 (Obere Mühle); selbsteigen: 1/16 (Tödtinger Häusel).

 

Brunnen: Kloster Fürstenfeld: 1/1 (Brunner).

 

Kopfmühle: Kloster Thierhaupten: 1/4 (Kopfmüller).

 

Am 19. August 1785 errichteten die Ettinger Gemeindemitglieder ein Benefizium. Anlass dafür war wohl, dass der Pfarrer von Gempfing keinen zweiten Kaplan mehr hielt. Für den Benefiziaten verpflichteten sich die Ettinger zur Zahlung des Unterhalts. 50 fl. (= Gulden) kamen aus der Stiftungskasse, 100 fl. zahlten die Bauern selbst (ein ganzer Hof zahlte 10 fl., 1/8-Hof zahlte 2 fl.) und mit Pachten und weiteren Einnahmen kommt der künftige Benefiziat auf 300 fl. Der Fundationsbrief zur Gegenleistung: "Dagegen verlangen wir Gemeiner zu Etting und Tödting vom Benefiziaten: wöchentlich 3 hl. Messen, an Sonn- und Feiertagen Predigen und Christenlehre zu halten und unsere Kinder in der römisch-katholischen Religion und anderen notwendigen Gegenständen den erforderlichen Unterricht zu erteilen. Da wir aus eigenen Mitteln diese geistliche Pfründe fundiert haben, so behalten wir für uns und unsere Nachkommen zu ewigen Zeiten das Recht vor, einen Benefiziaten zu präsentieren ...". Die Ettinger durften bei der Wahl des Benefiziaten mitreden.

 

Inwieweit der genannte frühere zweite Kaplan schon neben der Religion allgemeinen Unterricht erteilt hat, kann hier nicht geklärt werden. Fest steht die Einführung einer Schule in Etting 1786/87. Das Benefiziatenhaus errichtete die Gemeinde schon 1786. Es hatte immer schon zwei Stockwerke. Im unteren Stock befand sich ein heizbares Zimmer mit einem engen Verschlag, gegenüber noch ein enges Kämmerchen zum Aufbewahren von Gerätschaften. Hinter diesem Kämmerchen war eine kleine Küche; ferner gab es einen kleinen Keller. Im Obergeschoss befand sich der Schulraum, gegenüber noch ein enges Kämmerchlein. Die knappen Finanzmittel der Gemeinde sprechen aus dieser Akte des Neuburger Staatsarchivs über das Benefiziatenhaus. Die Fassion vom 10. März 1804 ergibt ein Pfarreinkommen von 289 fl. Die Obeliegenheiten des Benefiziaten werden am 24. Januar 1812 beschrieben mit Schulhaltung, Predigen, Katechisieren, Beichte hören und Kranke besuchen. Er hat nicht das Recht, zu taufen, zu trauen, zu begraben, Kreuzgänge zu halten und die Krankensalbung zu spenden (außer in Notfällen); hierfür ist der Pfarrer von Gempfing zuständig.

 

Benefiziat Johann Baptist Volnhals gibt den Ertrag der Pfründe 1812 mit 338 fl. 27 kr. an. Dieser setzt sich aus Mitteln der Stiftungskasse (50 fl.), von den Ettingern (89 fl.), den Tödtingern (11 fl.), aus dem Wert des Brennholzes (5 fl.), der freien Wohnung (20 fl.), den Gartenertrag (2 fl.) und den Grundstückspachten (150 fl.) zusammen. Die Steuern und Lasten gibt der Benefiziat mit 10 fl. 52 ½ kr. an. Vorübergehend übernehmen wegen vakanter Priesterstelle auch Lehrer den Unterricht, wie 1809 Georg Fischer. Die Urkunde über Fischers Bestellung nennt Familiennamen, die heute noch in Etting vertreten sind: Engelniederhammer, Luz und Wirfl.

 

Die allgemeine Schulpflicht wurde in Bayern 1802 mit sechs Klassen (Kinder von 6 bis 12 Jahren) eingeführt, anschließend kam die Feiertagsschule für die Heranwachsenden. 1820 reichte für Etting die Enge des Benefziatenhaus nicht mehr aus. Man errichtete einen Schulsaal, dessen Nordseite an das Benefziatenhaus angebunden wurde. Die Kosten waren lt. Abrechnung 582 fl. 50 kr.; der Maurermeister verdiente im Tag 36 kr. (Kreuzer), der Geselle 34 kr. (60 kr. waren 1 fl.). Bald darauf wurden auch dem Benefziatenhaus zwei Zimmer über dem neuen Schulsaal angebaut. Die Schlussrechnungen datieren vom 1. Juli 1822 (Schulsaal) bzw. 5. Dezember 1825 (Benefziatenhaus-Erweiterung). Das 7. Schuljahr wurde in Bayern 1856 eingeführt; bauliche Auswirkungen erforderte es in Etting nicht.

 

Umwälzende Reformen brachte das frühe 19. Jahrhundert in Bayern; Minister Monteglas projezierte mit seiner Regierung die Forderungen der Französischen Revolution auf bayerische Verhältnisse. Da ist die Verstaatlichung von Kircheneigentum (Säkularisation) – das oft für wenig Geld den Ortsgemeinden weitergegeben wurde. Da ist die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, die Streichung der Steuerprivilegien des Adels (1808). Ein über tausend tausend Jahre altes System auf dem Land wurde abgeschafft: die ehemaligen Klosterbauern, über die Hälfte aller Bauern, wurden gegen eine Ablösesumme von alten Dienstleistungen und Abgaben für immer befreit. Die Bauern der Adeligen mussten noch bis 1848 warten, bis sie keine Fronarbeiten mehr leisten mussten. Die Änderungen schlagen in jedes Dorf durch.

 

Die Dorfschaften wurden 1808 und 1818 neu organisiert. 1808 wurde der Seteuerdistrikt Etting mit Wengen, Tödting, Hirst, Eschling, Brunnen und Kopfmühle gebildet. Nach Erlass des zweiten Gemeindeedikts wurden 1818 daraus die Gemeinden Etting (mit Tödting, Brunnen und Kopfmühle) und Wengen (mit Eschling und Hirst) gebildet. Die Verwaltung wurde von Gemeindevorsteher, Gemeindepfleger, Stiftungspfleger und drei bis fünf Bevollmächtigten wahrgenommen; zum 1. Juli 1869 tratt statt dem Gemeindevorsteher der Bürgermeister an die Spitze des von den Gemeindebürgern gewählten Gemeindeausschusses.

 

Die Pfarrzugehörigkeiten waren bis weit ins 20. Jahrhundert anders: Brunnen gehörte nach Bayerdilling, die Kopfmühle nach Haselbach. Das Benefizium Etting mit Tödting war bis 1878/80 besetzt, es gehört noch heute zur Pfarrei Gempfing.

 

Über die Landwirtschaft liest man 1830: Etting hat 2060, Tödting 326 6/8, die Kopfmühle 69 5/8 und Brunnen 65 5/8 Tagwerk Grund in zusammen 877 Parzellen. Zu Etting waren damals 967 Tagwerk Staatswald (Esterholz) gezählt worden. Die 40 Familien bestanden aus 60 Männern, 90 "Weibern" , 12 männlichen und 15 weiblichen Kindern; alle 177 Einwohner waren katholisch. Die Familienhäupter waren 1 Priester, 7 Gewerbetreibende und Schutzverwandte (Handwerker) und 32 Bauer und Taglöhner. Der Wert der ganzen Ortschaft wurde angeschlagen auf 158 000 fl.; zum Vergleich: ein Knecht erhielt jährlich 32 bis 44 fl. sowie Kost und Wohnung.

 

Es wurde Dreifelderwirtschaft betrieben mit Weizen und Roggen im Winterfeld sowie Gerste (3/4) und Hafer (1/4) im Sommerfeld. Das brach liegende Feld wurde teilweise zur zusätzlichen Futter- und Nahrungsgewinnung verwendet: 1830 wurden etwa 14 Tagwerk Klee, 8 Tagwerk Rüben und 6 Tagwerk Kartoffeln angebaut. Nicht zufrieden war das Amt mit der Wiesenwirtschaft der Ettinger, denn sie "scheint nicht der gehörigen Aufmerksamkeit gewürdigt zu werden, indem selbst die zweimädigen Wiesen, welche den größten Teil ausmachen, vorgeblich wegen Mangel an Dünger jährlich nur zur Hälfte gedüngt werden, zudem erscheint auch das Grabenziehen als vernachlässigt."

 

Flachs wurden jährlich 9 Tagwerk gebaut, Hanf lediglich 2 Tagwerk. Sehr interessant ist ein Vergleich des Viehbestandes mit 150 Jahren Zeitunterschied. 1830 wurden 78 Pferde (23 unter 3 Jahren, 55 mit 3 Jahren und älter), 1 Ochse, 14 Stiere, 99 Kühe, 79 Stück Jungvieh, 49 Kälber, 39 Schafe, 26 Lämmer, 50 Schweine, 7 Ziegen, 214 Gänse, 18 Enten, 121 Hühner und 60 Tauben gehalten. 1993 wurden nur noch 2 Pferde gehalten – und das nicht mehr Arbeitstiere. Die Zahl der Rinder ist von 242 auf 654, die Schweinehaltung gar von 50 auf 655 Tiere gestiegen.

 

Gerne würden Landgericht und Rentamt Rain anno 1830 höhere Erträge sehen. Als Hindernisse "eines höheren Aufschwunges der Landwirtschaft" sahen die Beamten die zerstreute Lage der Gründe, aber auch "den herrschenden Luxus, die zunehmende Imoralität, besonders in Bezug auf Treue, Fleiß und Gehorsam der Dienstboten" an.

 

Reich war die Kirchenstiftung Etting zu dieser Zeit. Sowohl 1831 wie 1843 ist ein Kapitalstock von 15 000 fl. vorhanden. Die Kirche ergab in den 10 Jahren vor 1831 einen Ertrag von 4764 fl., weshalb sich die Gemeinde jährlich 100 fl. erbat, da sie finanziell kaum über die Runde kam.

 

An der Schwelle zum 20. Jahrhundert war die Schule Etting durchschnittlich von 40 Kindern werktags besucht. Seit 1878/80 schon war die Schule nach dem Abzug des Benefziaten (Zusammenlegung Etting mit Wengen) mit einem Verweser besetzt. Der Lehrer wohnte im Benefziatenhaus und bezog nun Benefiziumserträge. Für einen neuen, notwendigen Schulsaal fehlte das Geld, so dass 1902/03 der alte renoviert wurde. Hierbei wurden auch die Fenster vergrößert. Wir erfahren von den Bedingungen für die damaligen Schüler: der Schulsaal ist 6,42 Meter lang, 6,21 Meter breit und nur 2,23 Meter hoch; nach Abzug des großen deutschen Kamins bleiben genau 84,78 Kubikmeter Raum für Lehrer und 40 Kinder. Für die Renovierungskosten leiht Georg Gastl von Tödting der Gemeinde 500 Mark, rückzahlbar in vier Jahresraten. Erst 1953 wurde das alte Benefziatenhaus abgebrochen und das neue Schulhaus mit eigenem Lehrerhaus errichtet.

 

Vom Vereinsleben wissen wir: eine Freiwillige Feuerwehr wurde 1894 gegründet. Die Wehr hatte damals 28 Aktive. Das Gerätehaus wurde 1909 errichtet; zuvor waren die Geräte im Schulstadel untergebracht. Der Veteranen- und Kriegerverein feierte am 24. Juli 1927 eine Fahnenweihe. Auf Anregung des Lehrers Hans Schwarz wurde am 25. Januar 1899 ein Obstbaumzüchterverein mit 22 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen; das fernere Schicksal dieses Vereins ist nicht bekannt. Die in reinster deutscher Schrift niedergelegten Statuen verdienen hier besondere Würdigung.

 

1897 errichtete die Familie Stegmeier eine neue Privatkapelle "Maria Hilf" beim Brunnenhof. Nach dem Eingabeplan stand die alte, abgebrochene Kapelle etwa 7,5 Meter weiter westlich des jetzigen Standorts und hatte ein Ausmaß von ca. 4,5 mal 3,75 Meter. Der Altar wurde 1897 ebenfalls neu angeschafft.

 

Örtliche Probleme um die Jahrhundertwende waren weiter die Wiesenentwässerung, Wegeunterhalt und Armenhaus (es hatte vier Wohnungen, in einer wohnte der Hüter, je eine waren an ein armes Ehepaar und an eine Witwe vermietet und die vierte stand leer). Standesamt und Friedhof waren in Gempfing. 1928 hatte der Antrag auf Einrichtung eines eigenen Standesamtes Erfolg, kurz zuvor war der Friedhof angelegt worden.

 

Die Einwohnerzahl von Etting einschließlich Tödting und Einöden entwickelte sich wie folgt:

1809: 194

1831: 177

1900: 215

1925: 247 (Etting 206, Tödting 19, Brunnen 14 und Kopfmühle 8).

 

Ein schwerer Rückschlag war der Erste Weltkrieg (1914 – 1918). Acht Männer aus Etting, drei davon aus der Familie Utz, sahen die Heimat nicht wieder. Trotzdem blieb die Zeit nicht stehen. 1919 bis 1921 wurde die Stromversorgung aufgebaut, 1937 die jetzige Kreisstraße von Haselbach kommend nach Gempfing gebaut.

 

Pfarrer Wolfgang Steiner, seit 1939 Seelsorger für Etting, hatte im ersten Jahr seines Wirkens die Kirchenrenovierung und -erweiterung zu bewältigen. Kie Kirche "St. Peter und Paul" wurde um 5,5 Meter nach Westen erweitert. Die ganze Kirche wurde ausgemalt und stuckiert, die Vorhalle für den Eingang wurde angebaut und eine Warmluftheizung installiert. Gregor Würfl war ihm dabei eine wesentliche Stütze. Würfl war von 1926 bis 1966 ununterbrochen 1. Bürgermeister von Etting. Dem Nationalsozialismus stand man in Etting wohl kühl gegenüber, denn es gab keine Parteiorgane; nicht zuletzt ist es der Ausnahmefall, wenn der selbe Bürgermeister bei zwei totalen Systemänderungen von seinem Dorf stets weiter anerkannt bleibt.

 

Die Bilanz des Zweiten Weltkrieges ( 1939 – 1945) sieht im kleinen Etting düster aus: 14 Männer sind gefallen oder bis heute vermisst. Feindlicher Beschuss kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner, der am 27. April 1945 erfolgte, nahm die Dorfkirche in Mitliedenschaft; das Wirtsanwesen brannte ganz ab, Walburga und Maria Zach fanden in diesem Haus den Tod.

 

Durch den Zustrom von Flüchtlingen erhöhte sich in den ersten Nachkriegsjahren die Einwohnerzahl von 232 (1939) auf 264 (1946), ging aber danach zurück über 244 (1952) und 212 (1960) auf 195 (1970) zurück; jetzt liegt sie bei etwa 200. Der Ort ist landwirtschaftlich orientiert geblieben. Lediglich eine bescheidene Siedlung mit 5 Wohnhäusern ist in eineinhalb Jahrzehnten entstanden, wenige nichtlandwirtschaftliche Einheiten im übrigen Dorf kommen dazu.

 

Im Zuge der Flurbereinigung (1957 – 1962), durch die für den Landbau verbesserten Grundstückszuschnitte erreicht wurden, wurden die wesentlichen Feldwege staubfrei gemacht. Der Ausbau der Ortsstraßen mit Oberflächenentwässerung wurde ab 1961 durchgeführt; in den 1990-er Jahren erfolgen Instandsetzungen an mehreren Abschnitten.

 

Der moderne Reformeifer brachte nach knapp zwei Jahrhunderten nachweisbarer Geschichte das Ende der Volkschule Etting (1969); die Kinder gingen zunächst kurzfristig nach Gempfing und Burgheim und besuchen jetzt die Rainer Schulen. Am 1. Juli 1972 endete die Zugehörigkeit zum Landkreis Neuburg a.d. Donau, die seit 93 Jahren bestand und zum 1. Januar 1975 wurde das Dorf in die Stadt Rain eingegliedert. Der Anschluss an die Müllentsorgung erfolgte 1977, die zentrale Wasserversorgung wurde 1979/80 errichtet.

 

Trotz aller Reformen: der Dorfgeist ist geblieben. Dies beweisen die vielen geselligen Veranstaltungen, das Vereinsleben und der in Eigenarbeit erfolgte Umbau des alten Schulhauses in ein Schützenheim mit Dorfwirtschaft und die Renovierung der Kirche in den Jahren 1983/84.

 

Sie – ein Bauwerk mit sechs Jahrhunderten Geschichte – als jeden Tag lebendiges und sichtbares Zeugnis der Vergangenheit des Dorfes zu erhalten, ist eine vornehme Aufgabe und Pflicht! Die Renovierung ist mehr als Erhaltung des Raumes für den Gottesdienst – sie ist hervorragendes Beispiel für Traditions- und Kulturbewusstsein, sie verbindet beispielhaft Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Dorfes.

 

Quelle: Adalbert Riehl in "Fahnenweihe des Schützenvereins Jennerwein Etting", 1984.

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